Pentium-II-Fälschung von Intel
Ich habe einen Pentium-II-300 mit der Kennung SL2W8 gekauft, der ganz eindeutige Bearbeitungsspuren aufweist. Mein Händler behauptet steif und fest, daß es sich um ein Original vom Intel-Distributor handelt. Kann das sein?
- Georg Schnurer
Ich habe einen Pentium-II-300 mit der Kennung SL2W8 gekauft, der ganz eindeutige Bearbeitungsspuren aufweist. Mein Händler behauptet steif und fest, daß es sich um ein Original vom Intel-Distributor handelt. Kann das sein?
Leider ja. Es scheint, als hätte Intel selbst eine Serie von 300-MHz-Prozessoren auf den Markt gebracht, die - aus welchen Gründen auch immer - recht unsanft geöffnet wurden. Im Inneren des Gehäuses steckt ein normaler Deschutes-Kern, der allerdings im neuen quadratischen Gehäuse verpackt wurde, das sonst dem Mendocino vorbehalten ist. Der L2-Cache-Controller ist das neue Modell S82459AD. Damit beträgt die Cacheable Area dieser 300er satte 4 GByte. Ungewöhnliches findet man auch bei den Cache-Chips: Sie haben eine Zugriffszeit von 5,5 ns.
Theoretisch könnte man Pentium-II-CPUs vom Typ SL2W8 also ohne Bedenken mit bis zu 350 MHz betreiben. Um dies zu verhindern, hat Intel aber einen rigorosen Übertaktungsschutz eingebaut. Der Prozessor arbeitet mit einem fest vorgegebenen Multiplikator von 4,5. Wer also versucht, den externen Systemtakt von 66 auf 100 MHz zu erhöhen, übertaktet den Prozessor gleich mit 450 MHz. Dafür sind aber weder der Prozessorkern noch die Cache-Chips geeignet: Beim echten 450er kommen 4,4-ns-Bausteine zum Einsatz, und der Deschutes steckt im Flip-Chip-Gehäuse, das sich besser für hohe Frequenzen eignet als die klassisch gebondete Variante in Ihrem Pentium-II-300. Über kurz oder lang wird ein übertakteter SL2W8-Pentium-II deshalb fehlerhaft arbeiten. (gs) (gs)