Robotertisch baut einfache Strukturen alleine

MIT-Forscher haben einen Tisch vorgestellt, dessen Oberfläche aus beweglichen Stäben besteht. Dadurch kann er auf ihm liegende Objekte bewegen und sogar kleinere Arbeiten daran vornehmen.

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Von
  • Will Knight

MIT-Forscher haben einen Tisch vorgestellt, dessen Oberfläche aus beweglichen Stäben besteht. Dadurch kann er auf ihm liegende Objekte bewegen und sogar kleinere Arbeiten daran vornehmen.

Ein Robotertisch, der Objekte auf seiner Oberfläche manipulieren kann, könnte zur Grundlage für neue Schnittstellen für Telepräsenz-Anwendungen und neue Ansätze in der Produktion werden.

Entwickelt wurde das Gerät von Sean Follmer und Kollegen am MIT Media Lab. Seine Oberfläche besteht aus den Spitzen einer Reihe von quadratischen Stäben von jeweils etwa einem Zentimeter Breite. Diese Stäbe werden, gesteuert von einem Computer, von einem kleinen Motor hoch- oder heruntergefahren, so dass sie Objekte über den Tisch bewegen können.

Philipp Schoessler, ein Student am Media Lab, hat in einem Experiment vor kurzem gezeigt, was der Tisch mit speziell für ihn konstruierten Blöcken anstellen kann. Mit der Aktivierung der Stäbe in der richtigen Geschwindigkeit und Abfolge lassen sich die Blöcke umdrehen und sogar aufeinander stellen, so dass eine einfache Struktur entsteht. Für komplexere Strukturen benutzten die Forscher einen 3D-Drucker, um Blöcke mit Magneten an allen Seiten herzustellen, die dadurch fest miteinander verbunden werden können.

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Außerdem haben sie "kinematische Blöcke" entwickelt, die auf der Oberseite Knöpfe oder Drehregler haben, mit denen sich die benachbarten Beine steuern lassen. Ein Nutzer könnte also die Bewegung eines anderen Blocks kontrollieren, indem er den Knopf auf einem Steuerblock drückt. Die Arbeit wurde im November auf dem ACM Symposium on User Interface Software and Technology vorgestellt.

Laut Follmer, mittlerweile Assistant Professor an der Stanford University, könnte sich das Konzept unter anderem in der Industrieproduktion als nützlich erweisen. "Wir denken über ein sehr fortgeschrittenes Fließband nach, auf dem man Sachen bewegen kann", erklärt er. "Interessant wäre eine Art Förderband, mit dem man Objekte direkt manipulieren kann, aber auch zusammen mit anderen Roboter-Armen."

Manche Unternehmen zeigen tatsächlich bereits Interesse an derartiger Technologie für die Produktion. Der deutsche Maschinenbauer Festo hat ein System demonstriert, das in der Lage ist, verschiedene Objekte gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen zu manövrieren. Die Technologie, vom Unternehmen als Wave Handling bezeichnet, besteht aus einem Förderband mit einer Reihe von elektronisch gesteuerten Blasebälgen darunter. Wenn sie gefüllt werden, hebt sich der darüber befindliche Teil des Bandes an. Das Verfahren lässt sich nutzen, um Objekte auf dem Band in unterschiedliche Richtungen zu bewegen.

Laut Follmer wird billigere Robotik-Hardware noch komplexere physische Schnittstellen dieser Art möglich machen. "Wir sehen eine echte Veränderung in Form von billigeren und schnelleren Robotern und weitaus größerer Verbreitung in Konsum- und Industriemärkten", sagt er. "Dadurch werden die Kosten für viele dieser Sachen weiter sinken."

Schon zuvor hatten er und seine Kollegen eine andere Anwendung ihres Tisches demonstriert: Zusammen mit einem Bildschirm machte er eine Form der Telepräsenz möglich, bei der Nutzer Objekte auf Entfernung bearbeiten konnten.

(sma)