Mach dich rar bei Spotify und Co.
Was bedeutet Adeles Erfolg bei den Verkaufszahlen ihres jĂĽngsten Albums fĂĽr die Zukunft von Musik-Streamingdiensten?
Was bedeutet Adeles Erfolg bei den Verkaufszahlen ihres jĂĽngsten Albums fĂĽr die Zukunft von Musik-Streamingdiensten?
Rund fünf Millionen Platten soll die Sängerin Adele drei Wochen nach der Veröffentlichung ihres neuen Albums "25" auf dem US-Markt verkauft haben. Allein in den ersten drei Tagen ging die CD mehr als 2,4 Millionen Mal über den Ladentisch. Nutzer auf Musik-Streaming-Plattformen wie Spotify oder Apple Music "hörten" dabei allerdings in die Röhre. Denn Adele schloss sich der Gruppe an Künstlern an, die ihre neueste Musik nicht auf in diesen Online-Kanälen anbietet. Das ist natürlich ihr gutes Recht. Doch bremst Adeles Aktion tatsächlich den Aufschwung von Streaming-Diensten. Oder anders gefragt: Schlägt sich das Nicht-Bedienen dieser Plattformen automatisch positiv auf die CD-Verkäufe nieder?
Das ist ein Trugschluss. Adele gehört, wie auch etwa Taylor Swift oder Neil Young, zu einer Gruppe bereits etablierter Künstler. Bei Adele kommen begünstigende Faktoren zusammen: Ihre Mischung aus softem Pop/Soul/R&B spricht ein breites Publikum an. Soweit, dass es Musik für einen Gemischtwarenladen ist, würde ich zwar nicht gehen. Aber sie entspricht doch einem eingängigen Pop-Duktus, der eine große Zielgruppe sichert. Außerdem hatte die Künstlerin in ihrer bisherigen Laufbahn bereits durch explodierende Absatzzahlen und Auszeichnungen gut im Feld der Musikwirtschaft positioniert. Zudem kam ihr das Prinzip "Mach dich rar" für dieses Album zu Gute – hatte sie sich doch Ende 2012 erstmal von der Öffentlichkeit verabschiedet. Die Ankündigung ihres Albums für 2015 befeuerte dann die Erwartungen bei Fans und Medien. Ob das beispielsweise bei einem deutschen Künstler genauso geklappt hätte, bezweifele ich.
Doch was bedeutet Adeles CD-Verkaufserfolg für die Bedeutung und die Entwicklung von Musik-Streamingdiensten? Zum einen zeigt es, dass die Dienste bekanntermaßen noch längst nicht die Marktposition inne haben, um einen bemerkenswerten Einfluss auf die Einnahmen der Musiker zu bewirken. Gleichfalls halte ich einen Einbruch der Beliebtheit von Streaming-Diensten durch eine handvoll Künstler für unwahrscheinlich. Für (zahlende) Nutzer haben die Dienste einfach ein großes verfügbares Musik-Angebot. Daran werden auch – zum Missfallen der Künstler – einige fehlende Alben nichts ändern. Musik-Streamingdienste gehören zu den neuen digitalen Vertriebskanälen des täglichen Musikkonsums. Es gilt vor allem, die Verwertungsrechte und Einnahmen durch die zahlenden Nutzer im Sinne der Musiker fairer zu verteilen. (jle)