Naumann: Elektronische Bücher bergen Gefahr für die Informationsfreiheit
Der Kulturstaatsminister sieht in elektronischen Büchern die Gefahr der Kommerzialisierung und Monopolisierung von Wissen, auch wenn der Markanteil von Bücher-CDs und E-Books derzeit bei "höchstens zwei Prozent" liege.
Kulturstaatsminister Michael Naumann sieht in elektronischen Trägermedien für Bücher die Gefahr der Kommerzialisierung und Monopolisierung von Wissen, auch wenn der Marktanteil von Bücher-CDs und E-Books derzeit bei "höchstens zwei Prozent" liege. Naumann sagte auf einem Kongress europäischer Kulturpolitiker in Frankfurt, vor fünf Jahren hätten Fachleute noch einen Anteil von 20 Prozent vorausgesagt. Die Branche erwarte aber inzwischen kaum mehr als zehn Prozent.
Die Gefahren der Digitalisierung hält Naumann zwar nicht für akut, aber die wachsende Kommerzialisierung der Verbreitung von Medienprodukten könne "irgendwann die Informationsfreiheit gefährden oder einschränken und zu Klassengesellschaften der Informierten, Sub- und Desinformierten führen". In diese Richtung äußerte sich Naumann auch in einem Interview mit der Zeitschrift "Junge Karriere": Seiner Ansicht nach würde eine Aufhebung der Buchpreisbindung zu einer Verarmung der deutschen Kulturlandschaft führen, wie man sie beispielsweise auch in angelsächsischen Ländern sehen könne. Weder seien Bücher dort billiger, noch könnten die USA oder Großbritannien mit der deutschen Verlagsvielfalt, der Menge an unabhängigen Buchläden oder auch den Neuerscheinungen pro Kopf der Bevölkerung mithalten.
Neben elektronischem Publizieren stehen während des zweitägigen Kongresses am gestrigen Montag und heutigen Dienstag unter anderem die Buchpolitik in den osteuropäischen Ländern, Buchwirtschaft und europäische Medienpolitik auf der Tagesordnung. Eingeladen hatten Naumann und der Europarat. Heute wollen die Minister kurz vor der Eröffnung der 52. Frankfurter Buchmesse eine Schlusserklärung abgeben. (pmo)