Tauziehen um Assange-Verhör geht weiter

Ecuador und Schweden streiten weiter, wie der Australier Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London verhört werden soll. Ecuador hat einen Fragenkatalog der Schweden zurückgewiesen.

vorlesen Druckansicht 83 Kommentare lesen
Assange

Julian Assange bei einer Ansprache in der Botschaft Ecuadors in London.

(Bild: dpa, Kerim Okten)

Lesezeit: 1 Min.
Von
  • Detlef Borchers

Das Tauziehen um eine Befragung des Wikileaks-Gründers Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in Londen geht weiter. Ecuador blockiert den Versuch der schwedischen Staatsanwaltschaft, den Australier selbst zu befragen. Ecuadors Präsident Rafael Correa hat nun angeboten, Assange neue Fragen der Schweden durch eigene Beamte zu übermitteln. Die schwedische Staatsanwaltschaft will nun prüfen, ob das ein gangbarer Weg aus dem Patt ist.

Die Schweden werfen Assange Vergewaltigung in einem minderschweren Fall vor und wollen ihm den Prozess machen. Der Australier lebt seit Sommer 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in Londen und genießt dort politisches Asyl. Vor fast einem Jahr hatte sich Schweden schließlich bereit erklärt, Assange in der Botschaft zu vernehmen. Viel hat sich nicht getan. Immerhin haben beide Länder ein Rechtshilfeabkommen geschlossen, das es bislang nicht gab.

Ecuadors Außen- und Menschenrechtsminister Ricardo Patiño kritisierte die Schweden scharf. Der Fragenkatalog, den die schwedischen Behörden im Ende Mai 2015 übermittelt hatten, sei nicht sachgerecht und sinnvoll gewesen. Überdies sei der Katalog in einem Ton abgefasst, der "mangelnden Respekt vor der ecuadorianischen Justiz" erkennen ließe. Nun warte man auf neue Fragen. Die Leiterin der schwedischen General-Staatsanwaltschaft Marianne Ny erklärte dazu, Ecuador habe die Fragen “aus formellen Gründen” abgelehnt. Jetzt überlegen die Schweden, ob sie einen neuen Fragenkatalog schicken. (vbr)