Prozessor lässt sich nicht übertakten

Im PC meines Freundes läuft ein übertakteter Prozessor problemlos. Wenn ich versuche, meine identische CPU mit auch nur minimal höherer interner Taktfrequenz zu betreiben, stürzt mein Rechner ab. Was kann ich tun?

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Im PC meines Freundes läuft ein übertakteter Prozessor problemlos. Wenn ich versuche, meine identische CPU mit auch nur minimal höherer interner Taktfrequenz zu betreiben, stürzt mein Rechner ab. Was kann ich tun?

Zum Übertakten kann man leider nur wenige Tipps geben, denn zu sehr hängt der Erfolg dabei von den speziellen Eigenschaften der verwendeten Komponenten und den Einstellungen im BIOS-Setup ab.

Wer sich für das Übertakten seines Prozessors interessiert, sollte sich vorab über einige Voraussetzungen dazu im Klaren sein. An erster Stelle steht der Hinweis, dass natürlich die Garantie für den Prozessor sowie auch für andere übertaktete Hardware erlischt. Zudem sollte jeder Overclocking-Interessierte bereit sein, sich gründlich in die Materie einzuarbeiten. Nur mit genügend Sachkenntnis gelingt es, an den richtigen Stellen im BIOS-Setup oder per Jumper Einstellungen vorzunehmen, die beim Übertakten zum Erfolg führen.

Die Hotline der c't ist bereits mit der Lösung von PC-Problemen überlastet, die bei normalem Betrieb aller Komponenten auftreten. Anfragen zum Übertakten von Hardware beantworten wir deshalb grundsätzlich nicht. Im Internet gibt es aber Dutzende von Websites, die sich mit diesem Thema bis ins letzte Detail beschäftigen.

An dieser Stelle geben wir trotzdem einige Hinweise zu den am häufigsten gestellten Fragen:

Alle Intel-Prozessoren seit den jüngeren Ausführungen des Pentium II besitzen einen unveränderlichen, intern fest einprogrammierten Multiplikator. Die interne Taktfrequenz dieser CPUs hängt damit ausschließlich von der eingestellten Front-Side-Bus-Taktfrequenz ab; Multiplikator-Einstellungen per BIOS-Setup oder Jumper sind unnötig und werden auch nicht ausgewertet. Das gilt auch für AMDs Athlon- und Duron-Prozessoren. Bei Sockel-A-CPUs kann man allerdings auf manchen Mainboards durch eine kleine Veränderung an der CPU den internen Multiplikator ändern, was auf Seite 282 in c't 23/2000 erklärt wurde. Auch die Slot-A-Athlons kann man, wie in Heft 10/2000 auf Seite 190 beschrieben, mit einem Zusatzgerät übertakten.

Lässt sich der interne Multiplikator nicht verändern, so kann man einen Prozessor nur übertakten, indem man die FSB-Taktfrequenz steigert. Dies bieten aber nicht alle Mainboards an. Selbst auf Platinen, die sehr flexibel einstellbare Taktgeneratoren bieten, können Probleme auftreten, weil die Taktfrequenzen von FSB, Speichermodulen sowie PCI-Bus und AGP immer in einem bestimmten Verhältnis stehen. Das bedeutet, dass man bei vielen der einstellbaren FSB-Taktraten nicht nur die CPU, sondern auch die Grafikkarte und den PCI-Bus und damit auch den EIDE-Hostadapter übertaktet. Dies wiederum bringt häufig Abstürze der Grafikkarte oder einen Datenverlust auf der Festplatte mit sich. Auch wenn nicht so gravierende Probleme auftreten, kann ein übertaktetes Mainboard langsamer arbeiten als im Normalbetrieb, weil etwa der AGP-2X-Modus oder die Ultra-ATA/66-Übertragung bei zu hohem Takt nicht mehr funktionieren.

Läuft der Speicherbus schneller als vorgesehen, können Abstürze auftreten, weil die Speichermodule nicht mehr korrekt arbeiten; oft lässt sich dies durch langsamere Timing-Einstellungen im BIOS-Setup vermeiden, was aber wiederum zu Leistungseinbußen führt.

Ist wirklich nur der übertaktete Prozessor selbst an etwaigen Abstürzen schuld, so kann eine Steigerung der Kernspannung für Abhilfe sorgen. Diese Maßnahme sollte man aber nur anwenden, wenn man die CPU sehr gut kühlen kann - bei höherer Versorgungsspannung und gleichzeitig höheren Taktraten steigt die Wärmeentwicklung nämlich stark an. In jedem Falle erlischt natürlich die Herstellergarantie auf den Prozessor.

Aus unserer Sicht bringt das Übertakten nur in wenigen Fällen tatsächlich einen nutzbaren Vorteil. Wenn man zusätzliche Ausgaben für gut übertaktbare Mainboards, schnelle Speichermodule, aufwändige Kühler sowie den Zeitaufwand für das Ausprobieren der diversen Einstellungen einrechnet, lohnt das Übertakten im Vergleich zur Beschaffung einer leistungsfähigeren CPU kaum. Man sollte daher Rückschläge einkalkulieren und das Overclocking als Hobby betrachten - in jedem Fall verspricht die intensive Beschäftigung mit der PC-Hardware einen Zugewinn an Computerwissen. (ciw) (ciw)