Zensur der Ausstellung "Menschenrechte" auf der EXPO2000
Amnesty international: "EXPO2000 verliert jede GlaubwĂĽrdigkeit".
Eine Reihe Prominenter, darunter Bundestagsabgeordnete verschiedener Parteien, fordern gemeinsam mit amnesty international die EXPO2000 ultimativ auf, die Ausstellung "Menschenrechte" sofort in ihrer bisherigen Form wiederherzustellen. Die Organisatoren der Weltausstellung veränderten einen Ausstellungsbereich, in dem Folter an Kindern und Jugendlichen in der Türkei dargestellt wurde, ohne Rücksprache und ohne Information der Menschenrechtsorganisation.
Die EXPO2000 hat damit gegen den ausdrĂĽcklichen Willen ihres wissenschaftlichen Kooperationspartners amnesty international und trotz des Protests von prominenten Politikern und Kirchenvertretern gehandelt. "Die TĂĽrkei hat offensichtlich richtig gepokert. Die EXPO2000 hat ihrem Druck nachgegeben. Damit verliert sie jede GlaubwĂĽrdigkeit", so Uwe Kirchner, Vorstandsbeauftragter von amnesty international fĂĽr die EXPO2000. "Wir sind entsetzt ĂĽber diese unfaire Form der Zusammenarbeit und betrachten das Vorgehen der EXPO2000 als Vertrauensbruch." Der stellvertretende Generalkommissar der EXPO2000, Norbert Bargmann, hatte offenbar angewiesen, den Ausstellungsteil, der die TĂĽrkei betrifft, bis Freitag entfernen zu lassen.
Alle Details der Ausstellung im Themenpark waren der EXPO2000 allerdings seit langem bekannt, Proteste von Regierungen wurden erwartet und bewusst in Kauf genommen. Noch Anfang Juli hat der Leiter des Themenparks, Dr. Martin Roth, sich demonstrativ hinter die Ausstellung gestellt und zu Gunsten eines verschwundenen Gewerkschafters ein Fax an die kolumbianische Regierung gesandt. "Wenn die Veranstalter dem Druck der türkischen Regierung nachgeben, ist nur eine Schlussfolgerung möglich: es ging nie um Inhalte, sondern immer nur um den schönen Schein und einen Rekord der teilnehmenden Nationen", so Uwe Kirchner.
Für den 19. August, dem Nationentag der Türkei, hat die Menschenrechtsorganisation eine Großveranstaltung angekündigt, zu der inzwischen auch Parteien, Kirchen und Gewerkschaften aufrufen. "Wir ernten in unserer täglichen Arbeit Proteste von Regierungen. Das gehört dazu. Wir lassen uns nicht erpressen", meinte Uwe Kirchner noch vor der erfolgten Zensur. (Ekkehard Jänicke)
Mehr in Telepolis: Nach versuchter Erpressung erfolgte Zensur der Ausstellung "Menschenrechte". (fr)