Startschuss für die Frankfurter Buchmesse
Nicht nur gedruckte Pappkameraden, sondern auch CD-ROMs und E-Books stehen in den Regalen der Aussteller. Für Berufseinsteiger lohnt sich ein Besuch beim Job-Center.
Am morgigen Mittwoch beginnt die größte Bücherschau der Welt in Frankfurt, und auch in diesem Jahr nehmen CD-ROMs und Internet-Angebote wieder einen breiten Raum ein. Den gesamten Gebäudekomplex der Halle 4 haben die Organisatoren des Mega-Events für Lernprogramme, Nachschlagewerke, Sprachkurse, Spiele und Online-Infodienste reserviert. Zur ersten Orientierung kann der Edutainment-Schwerpunkt in der aktuellen Ausgabe 21/00 von c't dienen, denn mittlerweile decken die Silberscheiben für Groß und Klein eine breite Themenpalette ab. Unter anderem stehen Spielgeschichten für die Kleinsten, Nachhilfekurse für Schulkinder und CD-ROMs, die sich mit Musik, Natur, Geschichte, Technik, Geografie oder Sachkunde beschäftigen, in den Regalen der Aussteller.
Auch die Verleihung des Europrix kann Messebesuchern als Ariadnefaden durch das verwirrende Labyrinth der Neuen Medien dienen. Experten trauen dem Preis, der für mehrere Produktsparten vergeben wird, eine ähnlich richtungsweisende Bedeutung zu wie dem Oskar in der Glamour-Welt des Films. Nicht immer waren in den letzten Jahren die Entscheidungen der Jury nachvollziehbar, immer aber wurden auch viele ausgezeichnete Produkte prämiert: Am Eröffnungs-Mittwoch um 17 Uhr 30 im Europasaal der Halle 4 darf man wieder gespannt sein. Wer nicht vor Ort sein kann, darf sich die Preisverleihung live im Internet anschauen.
Und was haben Comics und E-Books gemeinsam? Beide stehen auf der Frankfurter Buchmesse im Rampenlicht, beiden schlägt unverhohlenes Misstrauen bis Ablehnung entgegen. Erst heute hat Kulturstaatsminister Naumann vor den Gefahren der E-Books gewarnt, und die meisten Buchläden wollen immer noch kein Regal für die Comic-Bände freiräumen. Um dies zu ändern, startet die Frankfurter Buchmesse das dreijährige Projekt Faszination Comic im Comic-Zentrum (Halle 4.1). Interessenten für E-Books und deren Lesegeräte kommen in Halle 4.0 auf ihre Kosten.
Das E-Book-Highlight findet aber nicht in den Messehallen statt. Am Freitag, den 20. Oktober, verleiht Alberto Vitale, ehemaliger CEO von Random House, in der Paulskirche den ersten Frankfurt eBook Award. Den gibt es in verschiedenen Sparten für die besten E-Books – und dank Microsoft handelt es sich um einen der höchstdotierten Literaturpreise überhaupt.
In den Hallen steht weniger das Lesematerial, sondern die Verpackung im Vordergrund. Die Gemstar International Group (Halle 4.0, Stand H 1101) wird neben den beiden auf dem Markt befindlichen Readern Rocket eBook und Softbook zwei neue Lesegeräte präsentieren. Mit Spannung wartet man auf die Newcomer Franklin (Halle 4.0, Stand A 1114) und den hier zu Lande noch unbekannten französische Hersteller Cytale (Halle 4.0, Stand G 1107), die beide ihre ersten Lesegeräte zeigen wollen.
Auch dieses Jahr wird das Thema Kopiersicherheit versus Kundenfreundlichkeit breiten Raum einnehmen, wenn E-Book-Protagonisten wie Adobe, Gemstar oder Microsoft die Verlage davon überzeugen wollen, ihre Werke als Datei zur Verfügung zu stellen. Sowohl Adobe (Halle 4.0, Stand 30) als auch reciprocal (Halle 4.0, Stand B 1120) werden ihre Version vom sicheren E-Book-Kauf und Kopierschutz präsentieren. Wer sich einen Überblick über hier zu Lande verfügbare E-Books verschaffen möchte, der findet unter anderem bei BOL oder dibi (Halle 4.1, Stand H 0109) ein reichhaltiges Angebot an Lesematerial.
Nicht nur für Konsumenten, sondern auch für Berufseinsteiger und angehende Multimedia-Entwickler lohnt sich ein Blick in die Halle 4. Unter dem Motto "New Books – New Shops – New Jobs" zeigt die Buchmesse, wie neue Berufsbilder in der Zukunfsbranche Multimedia aussehen könnten. Da wäre zum Beispiel der Beruf des Buch-Detektivs für Buchhändler mit kriminalistischem Spürsinn, ein Job als Online-Redakteur für Schreibtalente, oder eine Tätigkeit als Webmaster für Internet-begeisterte Programmierer. Im Electronic Media Center (Halle 4.0, Stand H 1103) können Interessenten mit Ausstellern und Ausbildern diskutieren oder einen der vielen Vorträge besuchen: Mittwochs von 15 Uhr 30 bis 16 Uhr erzählt zum Beispiel Kathrin Rüstig, Chefredakteurin von Amazon.de, von ihrer Arbeit als Online-Redakteurin, Donnerstags von 13 Uhr 30 bis 14 Uhr referiert Markus Wierl über neue Arbeitsplätze durch E-Publishing und am Samstag von 14 bis 15 Uhr steht eine Einführung in die IT-Jobbörsen im Internet auf dem Programm. (jr) / (ku)