Dramatische Lage an deutschen Hochschulbibliotheken
Alarm schlug heute die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände: Die wissenschaftlichen Bibliotheken an den Universitäten und Hochschulen seien in einer verzweifelten Etatlage.
Alarm schlug am heutigen Mittwoch die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände. Die anhaltende Schwäche des Euro und "exorbitante Preissteigerungen" bei wichtigen ausländischen Zeitschriften vor allem der Naturwissenschaften, Technik und Medizin haben die wissenschaftlichen Bibliotheken an den Universitäten und Hochschulen der Bundesrepublik in "eine verzweifelte Etatlage" gebracht. Dies bringe den Wissenschaftsstandort Deutschland in Gefahr, heißt es in einer heute in Berlin veröffentlichten Resolution an die Forschungs- und Wissenschaftsministerien des Bundes und der Länder. Allein in diesem Jahr konnten mehr als eine halbe Million notwendige Bücher nicht mehr angeschafft werden.
Auf der Pressekonferenz der Verbände-Initiative in Berlin verwahrte sich ihr Sprecher Georg Ruppelt gegen die in Politik und Verwaltungen um sich greifende Meinung, das Internet mache Bibliotheken überflüssig. "Es wäre falsch, das Kind mit dem Bade auszuschütten", erklärte er. "Es wird auch weiterhin einen hohen Bedarf an konventionellen Zeitschriften und Bibliotheken bei den Wissenschaftlern geben." Und die Hoffnung, dass die Digitalisierung von Zeitschriften Kosten senken würde, habe bislang getrogen. Sie verschärfe die Situation eher, denn "die Kosten müssen aus den stagnierenden Etats zusätzlich getragen werden".
Die aus dem Dollarkursanstieg resultierenden Kaufkraftverluste beim Bezug angloamerikanischer Zeitschriften bezifferte der Direktor der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Elmar Mittler, auf 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das habe bereits zu zahlreichen Abbestellungen von Abonnements geführt. Doch allein durch das Streichen von Zeitschriftentiteln seien die Kostensteigerungen nicht aufzufangen; in vielen Bibliotheken gibt es daher seit Monaten einen Bestellstop auch für Bücher. "Wir haben seit Mai keine Monografien mehr gekauft", erklärte Mittler.
An die Bildungs- und Wissenschaftsministerien von Bund und Ländern appelliert die Initiative, "kurzfristig schnelle Hilfen durch Sonderprogramme zur Verfügung zu stellen, um zumindest die dramatischen Auswirkungen der Euroschwäche auszugleichen". Zudem fordert sie von den Politikern, "mittelfristig die Finanzausstattung der Bibliotheken so zu gestalten, dass der Forschung und Lehre ein dauerhafter Zugang zu allen Publikationsformen wissenschaftlicher Information gesichert wird". (Richard Sietmann) / (jk)