Kernspannung zu hoch
Mein Mainboard stellt die Kernspannung des Prozessors automatisch ein, doch laut Diagnoseprogrammen liegt die Spannung zu hoch, beispielsweise 1,8 statt 1,75 Volt beim AMD Athlon XP. Woran liegt das und schadet das dem Prozessor?
Mein Mainboard stellt die Kernspannung des Prozessors automatisch ein, doch laut Diagnoseprogrammen liegt die Spannung zu hoch, beispielsweise 1,8 statt 1,75 Volt beim AMD Athlon XP. Woran liegt das und schadet das dem Prozessor?
Eine um 0,05 Volt höhere Kernspannung dürfte dem Prozessor nicht schaden und auch seine Lebensdauer nicht wesentlich verringern. Bei 0,1 Volt zu viel oder bei CPU-Temperaturen deutlich oberhalb von 55 Grad sollte man allerdings nach den Ursachen forschen.
Die zu hohe Anzeige kann daran liegen, dass das Mainboard absichtlich eine höhere Spannung wählt, dass Ungenauigkeiten beim Einstellen oder Messen der Spannung auftreten oder dass das Mainboard die vom Prozessor verlangte Spannung nicht korrekt ermittelt. Letzteres tritt bei einigen älteren Sockel-A-Mainboards auf, die AMD-Prozessoren ab einer bestimmten Baureihe mit zu hohen 1,85 Volt betreiben. Bei diesen Boards sollte der Anwender die richtige Spannung manuell einstellen.
Die absichtlich höher eingestellte Kernspannung kann zwei Gründe haben: AMD empfiehlt dieses Vorgehen wohl bei einigen Prozessor-Baureihen, veröffentlicht dazu aber keine Einzelheiten. Zudem wollen einige Board-Hersteller so die Zuverlässigkeit oder Übertaktbarkeit des Prozessors verbessern. Man sollte den Maßnahmen des Board-Herstellers vertrauen, solange kein zwingender Grund dagegen spricht.
Wer die Kernspannung manuell per Jumper oder BIOS-Setup einstellt, muss dennoch mit Ungenauigkeiten rechnen. Selbst gute Spannungswandler erzeugen die Kernspannung mit Abweichungen von einem Prozent oder mehr. Das Messen der Spannungen funktioniert ebenfalls nicht besonders genau: Schon die Referenzspannung, mit der die Monitoring-Chips die zu messenden Spannungen vergleichen, kann um ein oder zwei Prozent daneben liegen. Die Analog-Digital-Wandler in den Chips arbeiten ebenfalls nur begrenzt genau, die unteren Bits sind meist kaum nutzbar. Beispielsweise liefert der auf vielen KT266/A-Boards sitzende Winbond W83627HF/F eine Auflösung von 16 mV bei gerade mal acht Bit, sodass zwischen 1,75 und 1,8 Volt nur ein oder zwei unterscheidbare Messpunkte liegen. Zusätzlich verschlechtern Temperaturschwankungen die Messgenauigkeit. Insgesamt dürfte die Anzeige also um bis zu fünf Prozent von der tatsächlichen Kernspannung abweichen, was bei 1,75 Volt fast 0,1 Volt ausmacht. (jow) (jow)