Ă–lkonzern streitet mit Greenpeace um oil-of-elf.de

Der Ölkonzern TotalFinaElf will Greenpeace mit einer Unterlassungserklärung zwingen, die Internetseite www.oil-of-elf.de vom Netz zu nehmen.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Der Ölkonzern TotalFinaElf will Greenpeace mit einer Unterlassungserklärung zwingen, die Internetseite www.oil-of-elf.de einzustellen. Unter dieser Adresse verbreitet Greenpeace seit mehr als sechs Monaten kritische Informationen über ökologische Schäden bei der Ölförderung in Russland.

Jedes Jahr laufen laut Greepeace rund fünf Prozent des in Russland geförderten Öls aus beschädigten Pipelines aus. Russland sei mit jährlich 30 Millionen Tonnen Erdöl der wichtigste Lieferant für die deutsche Ölindustrie. Der größte Importeur russischen Erdöls in Deutschland, der französische Ölmulti TotalFinaElf, sei somit mitverantwortlich für die erheblichen ökologischen Schäden.

Der Konzern wandte sich gestern per Rechtsanwalt an Greenpeace. In einem Schreiben an die Öko-Aktivisten heißt es, TotalFinaElf sei "soeben zu der Erkenntnis gekommen", dass Greenpeace diese Homepage betreibe und Inhaber der Domain sei. TotalFinaElf forderte Greenpeace auf, "bei Meidung einer Vertragsstrafe von DM 10.001,00 für jede einzelne Zuwiderhandlung" bis zum heutigen Mittwoch, 19.00 Uhr, schriftlich zu erklären, den Betrieb der Homepage zu unterlassen und die Domain weder "konnektiert" noch "reserviert" zu halten.

"Wir werden dem Druck von Elf nicht nachgeben", erklärt Jörg Feddern, Öl-Experte von Greenpeace. Seine Organisation fordert die Internet-Nutzer dazu auf, Links auf die umstrittene Site zu legen und Protest-E-Mails an den Ölkonzern zu schreiben. TotalFinaElf-Sprecher Thomas Schalberger widersprach der Greenpeace-Darstellung: "Wir respektieren in höchstem Maße das Recht von Greenpeace auf freie Meinungsäußerung – auf der Homepage von Greenpeace." TotalFinaElf wehre sich allerdings gegen die Verletzung der Markenrechte durch die Benutzung der strittigen Domain. Vor dem Hintergrund der aktuellen Rechtslage werde Greenpeace "wenig Aussicht auf Erfolg" haben. Im Übrigen, so Schalberger, überschätze Greenpeace die Einflussmöglichkeiten seines Konzerns: "Dort, wo wir fördern, tun wir das nach sehr hohen Standards". Die Lage in den Ölfördergebieten in West-Sibierien, aus denen TotalFinaElf auch Öl bezieht, sei aber "sehr viel komplexer", als Greenpeace sie darstelle. (wst)