AOLs Gewinn steigt um nahezu 100 Prozent
AOL größter Online-Dienst der Welt, konnte seinen Gewinn im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs nahezu verdoppeln; weltweit hat AOL nun 24,6 Millionen Abonnenten.
AOL, größter Online-Dienst der Welt, konnte seinen Gewinn im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs von 182 Millionen US-Dollar im gleichen Quartal des Vorjahrs ( 7 Cent pro Aktie) auf 350 Millionen US-Dollar (14 Cents pro Aktie) nahezu verdoppeln. Die Erwartungen der Wall Street übertraf AOL damit aber nur knapp: Die Börse hatte einen Gewinn von 13 Cents pro Aktie erwartet. Die Umsätze im ersten Quartal betrugen 2 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 1,5 Milliarden US-Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum.
Im ersten Quartal konnte der Online-Dienst 1,4 Millionen neue Abonnenten gewinnen; damit hatte AOL zum 30. September 2000 weltweit 24,6 Millionen Kunden. Bei der Tochter CompuServe stieg die Mitgliederzahl um 165.000 auf 2,8 Millionen. In Europa haben AOL und CompuServe zusammen inzwischen 3,9 Millionen Abonnenten, ein Zuwachs um 290.000 Mitglieder. Die Einnahmen aus den Mitgliedsgebühren wuchsen um 21 Prozent auf 1,2 Milliarden US-Dollar. Im Schnitt waren die AOL-Mitglieder nach den Angaben des Online-Diensts 58 Minuten pro Tag online, verglichen mit 55 Minuten pro Tag im gleichen Quartal des Vorjahrs. Der Umsatz von AOL mit Werbung, E-Commerce und ähnlichen Aktivitäten wuchs sogar um 80 Prozent auf 649 Millionen US-Dollar.
Angesichts dieser Geschäftszahlen – vor allem wohl auf Grund der gestiegenen Umsätze mit Werbung und E-Commerce – erholten sich die Aktien von AOL in New York im nachbörslichen Handel nach einem massiven Einbruch auf ein 52-Wochen-Tief am Anfang des Börsentags am gestrigen Mittwoch. Die Börsianer hatten vor allem befürchtet, dass ein Rückgang der Werbung die Einkünfte von AOL negativ beeinflussen könnte. Gerade die Firmen der New Economy schrauben angesichts schwächelnder Börsenkurse und nicht mehr ganz so rosiger Zukunftsaussichten die Ausgaben vor allem für Online-Anzeigen zurück. Beobachter gehen aber davon aus, dass auch AOL in Zukunft angesichts massiver Konkurrenz anderer Internet-Provider nicht mehr darauf bauen kann, massive Umsatzzuwächse allein durch Abonnement-Gebühren erreichen zu können; viele Analysten bleiben daher zumindest leicht skeptisch, was die Geschäftsentwicklung von AOL in den nächsten Quartalen angeht.
An einer anderen Front, an der AOL mit einigen Widerständen kämpft, zeigte sich Steve Case, Chef des Online-Diensts, optimistisch. Er meinte, man sei auf dem richtigen Weg, die Fusion mit Time Warner, der die amerikanischen Wettbewerbshüter bislang recht skeptisch gegenüberstehen, noch in diesem Herbst abschließen zu können. Ähnlich äußerte sich auch Time-Warner-Chef Gerald Levin: Man sei bei den Verhandlungen über die Genehmigung der Fusion auf der Zielgerade, erklärte er bei der Vorstellung des Geschäftsberichts von Time Warner. (jk)