Elektrostatische Gefahr

Meines Wissens soll man Halbleiterbauelemente und die Kontaktflächen von Platinen nicht mit bloßen Händen berühren. Mein PC-Händler erklärte mir kürzlich, dass Vorsicht nicht mehr nötig sei: Intel hätte beispielsweise Schutzdioden in den Pentium 4 eingebaut, um Schäden zu verhindern. Was stimmt nun?

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Meines Wissens soll man Halbleiterbauelemente und die Kontaktflächen von Platinen nicht mit bloßen Händen berühren. Mein PC-Händler erklärte mir kürzlich, dass Vorsicht nicht mehr nötig sei: Intel hätte beispielsweise Schutzdioden in den Pentium 4 eingebaut, um Schäden zu verhindern. Was stimmt nun?

Nach wie vor gilt: Halbleiterchips und daraus aufgebaute Schaltungen sind im Zweifelsfall empfindlich gegen elektrostatische Entladungen. Daher sollte man eigentlich PC-Komponenten nur mit angelegtem Handgelenk-Erdungsband ein- und ausbauen.

Prozessorfirmen wie AMD und Intel schreiben bei der Montage ihrer Produkte nach wie vor Schutzmaßnahmen gegen ‘Electrostatic Discharges’ (ESD) vor - streng genommen erlischt bei Nichtbeachtung die Garantie. Hohe Spannungen beschädigen die extrem dünnen Schichten in Halbleiterschaltungen. Außer unmittelbaren Defekten können theoretisch auch schleichende Schäden die Folge sein, die die Lebensdauer des Produktes verkürzen.

In jedem Fall sollte man den eigenen Körper vor dem Hantieren mit elektronischen Komponenten durch kurzes Berühren geerdeter Metallteile (Heizung, Wasserleitung, Schutzkontakt) entladen. Außerdem sind Kleidungsstücke aus Wolle oder Synthetik genauso zu vermeiden wie die Berührung von Bauteil-Kontakten mit bloßer Hand.

Die ESD-Schutz-Armbänder erledigen die Entladung sicherer, indem sie den Körper über einen hohen Widerstand kontinuierlich mit dem Nullpotenzial verbinden, ohne das Gesundheitsrisiko bei versehentlichem Berühren von Spannung führenden Teilen zu steigern. Doch für gelegentliche Arbeiten am PC lohnt sich die Anschaffung eines solchen Bändchens kaum.

Im rauen c't-Laborbetrieb sind trotz manchmal fragwürdiger Schutzmaßnahmen unmittelbare Schäden an Bauteilen bisher nur selten vorgekommen. Abgesehen von den ESD-Gefahren schadet das Befingern elektrischer Kontakte aber auch durch Korrosion. Die natürliche Hautflora ist sauer und feucht, was auch vergoldete Kontakte nicht gut vertragen. Die meisten PC-Baugruppen sind außerdem nur für eine sehr geringe Anzahl von Steckzyklen ausgelegt - die aus Kostengründen hauchdünnen Edelmetall-Schutzschichten sind danach abgerieben, was ebenfalls schleichende Fehler zur Folge haben kann. (ciw) (ciw)