Verkauft die Telekom Geheimnummern an Auskunftsdienste?

In ihrer heutigen Ausgabe berichtet die Internetzeitschrift Thema1, dass die Deutsche Telekom bedenkenlos tausende Geheimnummern an Auskunftsdienste verkaufe. Der rosa Riese bestreitet diesen Vorwurf energisch.

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In ihrer heutigen Ausgabe berichtet die Internetzeitschrift Thema1, dass die Deutsche Telekom bedenkenlos tausende Geheimnummern verkaufe. Der rosa Riese bestreitet diesen Vorwurf allerdings energisch. Herausgekommen ist der Handel mit den Geheimdaten nach Aussage des Thema1-Redakteurs Dominik Holfeld gegenĂĽber c't, nachdem "Ex-Agent" Max V. aus Pullach seine geschĂĽtzt geglaubten Daten auf einer Telefonauskunfts-CD-ROM entdeckt habe.

Der von dem Opfer daraufhin eingeschaltete Rechtsanwalt Peter Christan Fiedler aus Saarbrücken habe auf Nachfrage von der Telekom schriftlich mitgeteilt bekommen, dass die sensiblen Daten an vier Firmen zur Herstellung von CD-ROMs weitergegeben wurden. Dieses Schreiben liegt der c't-Redaktion in Kopie vor. Da darin aber auch zu lesen ist, dass in den darauffolgenden Auflagen der betreffenden Datensatz nicht mehr vorhanden war, ist nicht auszuschließen, dass die Telekom bei dem Vorfall – der laut Telekom-Sprecher Peter Kespohl derzeit geprüft wird – von einem bedauerlichen Versehen sprechen wird.

Dieser Darstellung widerspricht Thema1 jedoch ausdrücklich – in Wahrheit könne jeder, der vorgebe, ein Auskunfts-Medium zu produzieren, Geheimnummern von der Telekom kaufen. Thema1 selbst habe unter einem Scheinnamen bei der Datenredaktion der Telekom in Münster ein Angebot über die Teilnehmerdaten eingeholt und daraufhin eine eindeutige Offerte erhalten. Tatsächlich enthält der "Vertrag über die Überlassung von Teilnehmerdaten", der c't ebenfalls vorliegt, eine Regelung, wonach es in der Verantwortung des Käufers liegen soll, "alle entsprechend gekennzeichneten Daten [...] von Kunden, die einer Veröffentlichung ihrer Daten in elektronischen Verzeichnissen nicht zugestimmt haben, unverzüglich nach Erhalt zu löschen."

Daraus zu folgern, dass die Telekom Geheimnummern weitergeben würde, wäre allerdings nach Aussage des Telekom-Sprechers Stephan Broszio gegenüber c't falsch. Vielmehr seien damit Daten derjenigen Kunden gemeint, die lediglich einer Speicherung ihrer Daten in elektronischen Verzeichnisse widersprochen hätten, mit der Weitergabe auf anderem Wege (beispielsweise über die Auskunft) aber einverstanden gewesen seien. Allgemein ließe sich feststellen, dass die Telekom Geheimnummern nicht weitergebe, meinte Broszio.

Thema1 bleibt indes bei seiner Darstellung. Für die Weitergabe der Geheimnummern würden Tatsachen sprechen, auf die Anwalt Fiedler bei seinen Nachforschungen gestoßen sei. Der habe daher mittlerweile für seinen Mandanten auch Klage gegen die Telekom eingereicht. Die Redaktion hoffe, dass sich noch weitere Geschädigte melden. (nij)