Source-Code von Solaris 8 veröffentlicht
Sun hat endlich sein Versprechen wahr gemacht und den Quelltext des Unix-Derivats Solaris 8 veröffentlicht - allerdings nicht unter der GPL.
Nachdem Sun bereits seit einiger Zeit Solaris 8 ohne Lizenzgebühren abgibt, hat die Unix-Firma nun auch endlich das Versprechen wahr gemacht, den Source-Code des Unix-Derivats zu veröffentlichen. Seit dem gestrigen Freitag ist eine spezielle Webseite von Sun freigeschaltet, auf der man den Code bekommen kann – entweder zum Download oder als Media-Kit für 75 US-Dollar.
Der als Solaris 8 Foundation Source bezeichnete Quelltext enthält laut Hersteller den Original-Code von Solaris 8, der von Sun entwickelt wurde, sowie Binaries, die von Drittherstellern kommen. Updates, die Sun herausgibt, sollen in die Source-Distribution aber offensichtlich nicht automatisch einfließen. Außerdem muss man einem so genannten Foundation Source code license agreement zustimmen, bevor man Zugriff auf den Code erhält. Unter eine Lizenz nach der GNU General Public License (GPL), wie sich wohl viele erhofft hatten, hat Sun den Quelltext also nicht gestellt.
Die Rechte bleiben vollständig bei Sun – Änderungen und Hinzufügungen, die Entwickler vornehmen, können sie nach eigenem Ermessen an Sun geben; diese werden dann auf der Solaris-Webseite veröffentlicht, verspricht die Firma. Die generelle Installation von Solaris auf den Rechnern einer Firma durch Einsatz des Source-Codes ist ebenso verboten wie kommerzielle Nutzung oder die Distribution eigener Lösung auf Basis des Solaris-Codes, sei es als Binaries oder als Quelltext. Explizit spricht Sun davon, der Code werde freigegeben, um Forschung, Ausbildung sowie "Innovation und Prototyping" zu fördern. Der in der Lizenz so genannte Reference Code, den Sun veröffentlicht, ebenso wie der Covered Code, der die Änderungen und technischen Spezifikationen umfasst, werden als vertraulich eingestuft: Man darf sie nur an diejenigen weitergeben, die für den Quelltext ebenfalls eine Lizenz nach Suns Bestimmungen haben.
Für die Zustimmung zu der Lizenz reicht es nicht, sich einfach auf der Webseite damit einverstanden zu erklären – man muss das gesamte Dokument ausdrucken, eigenhändig unterschreiben und an Sun zurückfaxen. Man erhält erst über eine URL mit Seriennummer Zugang zum Download-Bereich, wenn Sun die gemachten Angaben überprüft hat. Die Firma verspricht, dies in der Regel innerhalb von 72 Stunden zu erledigen. Um aus dem Quelltext ein eigenes System zu compilieren, ist das Build-Environment eines Original-Solaris-8-Systems notwendig; darüber hinaus braucht man Suns Visual WorkShop C++ 5.0. Beides ist aber auf den Media-Kits für Sparc- und Intel-Prozessoren enthalten. Die Auslieferung dieser Kits soll am 15. Dezember beginnen. (jk)