Die Zukunft des Dokumentarfilms liegt im Internet

Immer kleiner werdende Nischen in den Fernsehprogrammen lassen den Dokumentarfilm schon bald sterben, doch das weltweite Datennetz lässt ihn in anderer Form wieder auferstehen.

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Von
  • Sven Eichstädt
  • dpa

Der Dokumentarfilm ist tot, es lebe der Dokumentarfilm – dank Internet. Immer kleiner werdende Nischen in den Fernsehprogrammen lassen die Filmgattung schon bald sterben, doch das weltweite Datennetz lässt sie in anderer Form wieder auferstehen. Das war die übereinstimmende Meinung bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend auf dem 43. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm.

Nach Ansicht von Kathrin Brunner von Kirch New Media macht das Internet Dokumentarfilme einem weit verstreuten Publikum bekannt: "Endlich kann jeder die Filme sehen, wann er will und nicht erst kurz vor Mitternacht." Filmproduzent Heino Deckert sprach davon, dass momentan fast keine Dokumentarfilme mehr gedreht werden. "Klassische Sendeplätze gibt es nur noch in Finnland und in den dritten Spätprogrammen."

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender verwiesen auf eine Mindestquote von sieben Prozent, die Filme erreichen müssten. "Wir wollen Filme drehen ohne Redakteure, die uns reinreden und sagen, diese Quote müsst ihr bringen", sagte Filmemacher Cay Wesnigk. "Die einzige Chance für viele Filmemacher sind bisher Festivals, auf denen ihre Filme wenigstens einmal gezeigt werden", sagte Brunner. 56 Dokumentarfilme haben es ins Programm des Leipziger Festivals geschafft, 20 werden im Wettbewerb gezeigt.

Wie auf allen Filmfestivals erhalten die Regisseure dafür keinen Pfennig – wenn sie nicht einen Preis gewinnen. In ein Kinoprogramm gelangt ein Dokumentarfilm nur äußerst selten. Damit nicht genug: Die Erlöse durch die Fernsehanstalten spielten zumeist nicht einmal die Hälfte der Kosten ein, auch in Videotheken greife fast niemand zu Dokumentarfilmen. "Ich muss den Film zufällig in einem Filmkatalog entdecken und dann 50 Mark für etwas zahlen, von dem ich nicht weiß, ob ich es überhaupt sehen will", sagte Wesnigk. Der Gründer der OnlineFilm AG bremste die Internet-Euphorie etwas, die Frage der Urheberrechte sei noch immer unbeantwortet: Autoren müssten ihre Filmrechte für das Internet noch nachträglich erwerben. "Sonst kann die Witwe des Kameramanns verhindern, dass der Film ins Internet kommt", sagte Wesnigk.

Andere Sehgewohnheiten bedeuten das Aus für lange Filme: Ein Computerbildschirm ist eben keine Leinwand. Nur wenige sitzen 90 Minuten an der Tastatur und vertiefen sich in einen Dokumentarfilm: Einzig Kurzfilme von etwa fünf Minuten haben nach Meinung der Filmer eine Zukunft im Internet. "In fünf Minuten ist sehr viel zu erzählen", gab sich Filmemacher Dirk Wilutzky optimistisch. (Sven Eichstädt, dpa) (jk)