Die Unterwanderung
Roboter sollen in Zukunft Erze abbauen, gefährliche Schächte erkunden und Europas Rohstoffsorgen beenden.
- Eva-Maria Hommel
Alexander ist nicht besonders intelligent. Ständig muss Claudia Buhl hinter ihm herlaufen, damit er nicht gegen ein Hindernis knallt. „Wir müssen immer in der Nähe bleiben“, sagt Buhl, und es klingt, als spräche sie von einem kleinen Kind.
Dabei kann Alexander andererseits schon ziemlich viel. Jedenfalls im Vergleich zu anderen Bergbaurobotern. Mithilfe von Laserscannern bewegt er sich auf vier Rädern selbstständig durch die engen Gänge der „Reichen Zeche“ im sächsischen Freiberg, 147 Meter unter der Erde. Claudia Buhl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Informatik der TU Bergakademie Freiberg, kann auf einem Tablet nachverfolgen, wie er dabei eine Karte erstellt: Der Gang ist zu erkennen, ein halber Kreisbogen mit einem Punkt in der Mitte markiert den Standort des Roboters. 20 Meter weit reicht der Laser.
In der Reichen Zeche hackten schon vor mehr 600 Jahren Bergmänner Silber und andere Rohstoffe aus dem Erzgebirge. Als im 20. Jahrhundert Maschinen den Bergbau veränderten, war in Freiberg schon lange Schicht am Schacht. Heute dient er als Lehr- und Forschungsbergwerk. Die Freiberger Informatiker arbeiten hier an der Zukunft des Bergbaus.
Ihren Roboter haben sie nach dem berühmtestem Studenten der Bergakademie benannt, Alexander von Humboldt. Mit dem Gerät wollen sie den nächsten Entwicklungssprung im Bergbau vorbereiten: Nach Mechanisierung kommt Autonomisierung, manche sagen „Robolution“. Roboter sollen an gefährlichen, lauten und schmutzigen Orten effizienter arbeiten als Bergleute, Menschen retten, Umweltbedingungen überwachen und bislang unerreichte Rohstoffe ausgraben.
Eines Tages könnte ein Bergwerk komplett aus der Ferne gesteuert werden. (wst)