Biotechnologie-Unternehmen auf dem Vormarsch

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es pro Kopf und Einwohner nach Berlin bundesweit die meisten Biotechnologie-Unternehmen.

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Von
  • Renate Heusch-Lahl
  • dpa

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es pro Kopf und Einwohner nach Berlin bundesweit die meisten Biotechnologie-Unternehmen. Seit 1996 ist die Branche nach Angaben der Kontaktstelle BioRegio in Greifswald, einer von 17 Bioregionen in Deutschland, um 23 Unternehmen auf inzwischen 65 gewachsen. "Wir werden als Standort international registriert", sagte Heinrich Cuypers von der Kontaktstelle. 700 Firmen pro Monat lassen sich im Internet Informationen über Produkte geben, die in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt werden. Die Kontaktstelle des Landes versucht, die Unternehmen bei der Vermarktung ihrer Produkte zu unterstützen. Mit eigenen Fachkonferenzen, wie vom 7. bis 9. September in Warnemünde unter dem Thema 2nd International Conference Biosystems and Medical Technology will die Region als "BioCon Valley" im Nordosten Deutschlands international Aufmerksamkeit erregen. Cuypers hofft, den Standortnachteil der Randlage durch vielfältige Fördermöglichkeiten für die Unternehmen und durch das wissenschaftliche Know-how wettmachen zu können. Am Mittwoch wird offiziell der Verbund BioCon Valley Mecklenburg-Vorpommern gegründet.

Für die Firma Teraklin in Warnemünde stellt der Vertrieb einer der Schwerpunkte dar. "Wir wissen, dass wir im Bereich der Blutreinigung im Leberversagen Marktführer sind", sagte Stephan Aldinger, Vorstandsmitglied des Unternehmens. Mit einem international angelegten Vertriebsnetz soll das Produkt vermarktet werden. Dafür beschäftigt die Firma 18 Mitarbeiter in Hamburg, Berlin, München, Essen sowie in Großbritannien, Spanien und Frankreich. Im Technologiezentrum Warnemünde arbeiten 35 Mitarbeiter. Schon vor Jahren habe man die Vertriebsabteilung in Hamburg errichtet, um näher an den potenziellen Kunden zu sein. Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Mathias Klingler, arbeitet von Hamburg aus für Teraklin und für das Unternehmen Bioserv. Derzeit bemühen sich die Unternehmen um die Zulassung ihrer Produkte in den USA. Mit Krediten, neuen Kapitalbeteiligungen und Fördermitteln werden derzeit die Kosten bestritten. "Noch werden die Kosten nicht durch die Umsätze gedeckt", räumt Klingler ein. Daher erwägt das Siegerunternehmen des Start-Up Wettbewerbes 1997 im nächsten Jahr an die Börse zu gehen.

Mit der Förderung durch das Land zeigt sich Jung-Unternehmer Aldinger zufrieden. "Die Landesregierung setzt mit dem BioCon Valley auf das richtige Pferd. Es ist sicher ein hartes Brot, die Unternehmen langfristig zu halten." Schließlich seien Abwanderungen wie die geplante Verlagerung von Teilen der Verwaltung des Biotechnik-Unternehmens PlasmaSelect ein Wermutstropfen. In diesem Jahr sind im Wirtschaftsministerium für Förderung der Entwicklung und Einführung neuer Technologien 26 Millionen Mark eingeplant.

Das ist nach Ansicht des Geschäftsführers der Firma Nordum, Ralf Becker, zu wenig. "Dieses Potenzial müsste das Land noch ausbauen." Andere Regionen in Deutschland seien da viel stärker. Das Unternehmen Nordum, das mit Analytik und Beratung im Umweltbereich einen Umsatz von drei Millionen Mark jährlich macht, fehlt das Kapital für groß angelegte Vermarktungsstrategien. Die Unternehmensführung setzt auf die neuen Medien. Kürzlich gründete sie die Dienstleistungbörse Offerix. "Der E-Commerce-Bereich bietet uns die Chance, relativ preisgünstig Kontakte über das Bundesland hinaus aufzubauen", erläutert Becker.

Für die Rostocker Unternehmer stellt sich die Verkehrsanbindung als das größte Problem dar. "Hier ist man nicht schnell genug erreichbar", kritisiert Nordum-Geschäftsführerin Anita Plantikow. Aldinger stimmt ihr zu: "Es dauert zu lange, bis man wegkommt. Trifft man sich in Hamburg, bleibt viel mehr Zeit, als wenn der Partner von München nach Rostock reisen muss." Die Nähe zur Universität und zu anderen Firmen finden Aldinger und Plar und Plantikow positiv. Aldinger ist überzeugt, dass die schwache Infrastruktur eines Landes keine Rolle mehr spielt, wenn ein Produkt am Markt bekannt ist: "Wer kennt schon im Ausland Mecklenburg-Vorpommern? Das Produkt muss überzeugen." (Renate Heusch-Lahl, dpa) (jk)