GMD-Gesamtbetriebsrat lehnt Fusion mit FhG ab
Der Gesamtbetriebsrat der GMD fordert die Bundesbildungsministerin auf, die Fusion mit der Fraunhofer-Gesellschaft nicht gegen den Willen der GMD-Belegschaft durchzufĂĽhren.
Auf der seiner gestrigen Sitzung hat der Gesamtbetriebsrat der GMD – Forschungszentrum Informationstechnik einen offenen Brief an Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn verabschiedet, in dem er sich gegen die Fusion mit der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) zu den gegenwärtig vorgegebenen Bedingungen wendet. Zur Begründung führte er an, dass der im September vorgelegte Bericht der beiden als Moderatoren eingesetzten Wissenschaftler Tom Sommerlatte und Arnold Picot die Unverträglichkeit der Finanzierungsmodelle von GMD und FhG nicht habe überwinden können. Schon Mitte Oktober wandten sich die Institutsleiter und der Wissenschaftlich-technische Rat der GMD gegen den Zusammenschluss, dessen Auswirkungen sie als "verheerend" bezeichneten.
Die beiden Moderatoren waren eingesetzt worden, nachdem es vor allem aus der Belegschaft der GMD massive Kritik an den Fusionsplänen der Bundesministerin gegeben hatte. Die GMD-Wissenschaftler befürchten, dass sie unter dem Dach der FhG nicht mehr wie bisher eine stark an Grundlagenforschung orientierte Arbeit leisten könnten. Momentan wird diese Forschung dadurch möglich, dass die GMD mit eine Drittmittelquote von nur 30 Prozent arbeitet. 70 Prozent der Forschungsgelder kommen aus institutionellen Töpfen. Die Arbeit der FhG ist dagegen zu 75 Prozent drittmittelfinanziert und daher sehr viel stärker als die der GMD an einer praktischen Verwertbarkeit orientiert.
Die Umsetzung der im Bericht der Moderatoren vorgestellten Vorschläge bedeute "ein Überstülpen des jetzigen FhG-Modells auf die GMD". Dieses lehnte die Institutsleiter der GMD, der Wissenschaftlich-technische Rat, der Gesamtbetriebsrat und die Belegschaft ab. Der GMD-Brief schließt mit der Aufforderung an Ministerin Bulmahn, die Fusion von FhG und GMD nicht gegen den Willen der GMD-Mitarbeiter durchzuführen.
Es scheint allerdings fraglich, ob der Widerstand der Mitarbeiter den Zusammenschluss von FhG und GMD wird verhindern können. Denn die Ausschüsse der Aufsichtsratsgremien von FhG und GMD stimmten den Vorschlägen der beiden Moderatoren schon nach der Vorlage ihres Berichts zu und befürworteten den Übergang der GmbH-Anteile der GMD auf die FhG bis zum 1. Januar 2001, spätestens aber bis zum 1. Juli 2001.
So manche Wissenschaftler der GMD scheinen nicht mehr daran zu glauben, dass sie die Fusion verhindern oder dass sie auch unter dem Dach der FhG ihre Arbeit fortsetzen können: Allein das in Darmstadt ansässige GMD-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI) hat nach eigenen Angaben in den letzten Wochen vier führende Wissenschaftler wegen des bevorstehenden Zusammenschlusses mit der FhG an die Wirtschaft verloren.
Über das weitere Schicksal beider Forschungseinrichtungen wird in den nächsten Tagen entschieden. Auf den Sitzungen des Senats der FhG am 24. Oktober, des Aufsichtsrats und der Gesellschafter der GMD am 3. November und schließlich des Bund-Länder-Ausschusses am 7. November wird endgültig darüber entschieden, ob die Fusion zustande kommt. (chr)