Temperaturmessung ungenau

Mein PC zeigt eine Systemtemperatur an, die höher als die CPU-Temperatur liegt, und zwar sowohl im BIOS-Setup als auch unter Windows (ausgelesen mit CPUCooL). Im Leerlauf hat der Prozessor demnach ungefähr 27 °C, das System angeblich 35 °C. Haben Sie dafür eine Erklärung?

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Mein PC zeigt eine Systemtemperatur an, die höher als die CPU-Temperatur liegt, und zwar sowohl im BIOS-Setup als auch unter Windows (ausgelesen mit CPUCooL). Im Leerlauf hat der Prozessor demnach ungefähr 27 °C, das System angeblich 35 °C. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Ganz einfach: die Messungen sind offensichtlich falsch. Das kommt leider bei vielen PC-Mainboards vor.

Die Messungen von Temperaturen, Betriebsspannungen und Lüfterdrehzahlen erfolgen über Analog-Digital-Wandler, die in separaten Hardware-Monitoring-Chips stecken oder - mit meist geringerer Auflösung - in andere Bauteile integriert sind, etwa in die so genannten Super-I/O-Chips, die Firmen wie ITE, SMSC oder Winbond herstellen. Die Mainboard-Entwickler geben sich mit Leitungsführung der Messsignale und der Erzeugung präziser Vergleichsspannungen wenig Mühe. Dazu kommt die oftmals ungeschickte Platzierung der Temperaturfühler auf dem Mainboard, sodass diese (meist handelt es sich um 10-Kiloohm-NTC-Widerstände) von dicht benachbarten Bauteilen beheizt werden und daher die Lufttemperatur über dem Mainboard nur verfälscht messen.

Die so gewonnenen Mess- oder eher Schätzwerte fließen in digitalisierter Form über den SMBus und die Southbridge des Chipsatzes. So sind sie für Windows-Software ebenso zugänglich wie für das BIOS. Letzteres kann mit (üblicherweise undokumentierten) Korrekturfaktoren die Messungen weiter verfälschen. Sie taugen deshalb nicht als absolute Daten oder zum Vergleich unterschiedlicher Systeme, sondern nur als grobe Warnsignale: Falls sich ein Wert plötzlich stark verändert, sollte man nach der Ursache forschen. (ciw)