Dyson: Internet-Regierung überflüssig und nicht demokratisch
Die internen Auseinandersetzung innerhalb der Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers um die Wahl zum Direktorium gehen offensichtlich weiter.
Die internen Auseinandersetzung innerhalb der Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers um die Wahl zum Direktorium gehen offensichtlich weiter. Während Andy Müller-Maguhn, gewählter Europa-Direktor der ICANN, in seiner "Regierungserklärung" noch meint: "ICANN wollte zwar regieren, es aber nicht zugeben", hat die gegenwärtige Präsidentin Esther Dyson eine "Internet-Regierung" kategorisch abgelehnt. Die Wirtschaftsberaterin Dyson war erste Präsidentin der auf Betreiben der US-Regierung gegründeten ICANN geworden; sie tritt Ende 2 000 zurück.
Müller-Maguhn meint zwar, nominell sei er jetzt in der Regierung, und de jure dann irgendwann im November: "Und dann will ich immer noch den öffentlichen Raum frei von kommerziellen Spielregeln halten, den freien Informationsfluss hüten und den Bits ihre Freiräume geben." Dyson dagegen scheint inzwischen das gewählte Direktorium als überflüssig zu betrachten: "Das Web braucht eine verantwortlich handelnde Organisation mit begrenzter Macht", sagte sie laut dpa in einem Interview des Frauenmagazins Vivian. Diese Organisation solle die Infrastruktur des Netzes verwalten und bindende Grundsätze festlegen, die das weitere Wachstum des Web sicherten. Die jetzige Struktur, die viele als Internet-Regierung bezeichnen, sei überflüssig und alles andere als demokratisch zu Stande gekommen.
Mitte Oktober hatten die ICANN-Mitglieder die Direktoren gewählt, die die Internet-Nutzer vertreten sollen. Müller-Maguhn soll als europäischer Direktor für die europäischen Surfer sprechen – und schaffte den Wahlsieg mit 5.948 Stimmen. 76.000 ICANN-Mitglieder waren wahlberechtigt, davon gaben rund 32.000 tatsächlich ihre Stimme ab – teilweise behindert von technischen Schwierigkeiten bei der Online-Wahl. (jk)