Post aus Japan: Nippon als Premierenland
Es gibt ausländische Unternehmen, die ihre Wertschätzung für Japan durch ganz besondere Aktionen zum Ausdruck bringen. Der Staubsaugerhersteller Dyson stellte in Tokio seinen Vorstoß ins Reich der Beauty-Produkte vor.
- Martin Kölling
Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus – und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.
Die Pressekonferenz des britischen Staubsaugerherstellers Dyson begann mit einer kleinen IrrefĂĽhrung. Der Konzern hatte groĂź in Asiens Medienwelt getrommelt, dass er in Tokio im April den VorstoĂź in ein neues Segment ankĂĽndigen wĂĽrde. Und auf der Leinwand in der Veranstaltungshalle drehte sich in einem Video etwas, das nicht nur so aussah wie eine Flugzeugturbine, sondern wirklich eine war.
Doch Dyson wollte nicht ins Flugzeuggeschäft einsteigen, obwohl der Gründer James Dyson mir später erklärte, das seine Forscher durchaus Kontakte zu Turbinenherstellern pflegen. Vielmehr stiegen die Briten in das Geschäft mit der Schönheit ein – mit einem Fön.
Das Produkt war durchaus innovative und vor allen Dingen teuer. Dyson hat eine Mini-Turbine entwickelt und im Griff untergebracht, die mit bis zu 110 000 Umdrehungen die Minute die Luft nach oben bläst. Die Platzierung des Gebläses soll den Schwerpunkt des Föhns tiefer legen und ihn damit handhabbarer machen.
Damit nicht genug der Neuerungen: Oben lenkt die rotorlose Ventilatortechnik des Konzerns den Luftstrom um die Ecke und heizt ihn auf. Und am Luftaustritt sorgt dann ein elektronisch kontrollierter Hitzesensor dafür, dass die Luft nicht zu heiß wird. So soll die übliche zu starke Aufheizung der Luft und damit Schäden von Haaren abgewendet werden. Es ist der erste derart mit Elektronik und Halbleitern aufgerüstete Fön, behauptete Dyson. Nett: Die Elektronik ist zudem wasserdicht verpackt.
Aber es geht hier mir hier nicht so sehr um die Technik. Es geht mir darum, dass ein ausländisches Unternehmen Japan so wichtig findet, nicht nur seine Expansion in einen komplett neuen Bereich in diesem Land anzukündigen, sondern auch die Verkäufe hier zu starten. Denn das ist selten.
Gemeinhin streuen Weltkonzerne die Produktpremieren global, damit die Kunden in Schlüsselmärkten sich wichtig und gewertschätzt fühlen. Autohersteller nutzen die Tokyo Motor Show oft, um eines ihrer Modelle zuerst in Japan vorzustellen. Aber selten führt jemand gleich eine neue und zudem strategische Sparte ein, für die das Unternehmen massiv in Vorlage gegangen ist. Die Entwicklung des Föns soll immerhin mindestens 50 Millionen britische Pfund gekostet haben, erzählte mir Dyson, der Gründer.
Aus dem Grund für seine Entscheidung machte er keinen Hehl: Japans ist einer der größten Beauty-Märkte überhaupt. Außerdem sind die Frauen hierzulande bereit, enorme Summen für ihre Körperpflege auszugeben. Zudem sind sie technikaffin.
In japanischen Badezimmern steht die weltweit wohl größte Vielzahl an Gesichtswässerchen, Cremes, Pudern und Schminke. Nur an Parfüms wird gespart. Zusätzlich gibt es jede Menge Technik, von Geräten zur Gesichts- oder Augenmassage, Lichttherapie bis hin zu Fönen, die wenn möglich auch noch Minus-Ionen oder wie auch immer geladene Teilchen in die Haare pusten.
Und von dieser Liebe zur Hightech will Dyson jetzt profitieren. So um 300 Euro wird ein Haartrockner schon kosten. Doch Dyson glaubt, dass mit dem Erfolg bei japanischen Frauen die Eroberung Asiens und der Welt leichter fallen wird. Denn besonders in Asien schauen modebewusste Frauen sehr genau darauf, was im dortigen Leitmarkt für Schönheitspflege gerade en vogue ist. Die Idee, Japan als Sprungbrett in die Welt zu nutzen, könnte vielleicht auch für andere Firmen von Interesse sein. ()