Nicht vergiften, aufessen!

Australien verzeichnet viele Arten, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Allerdings wird die Vielfalt in Down Under von importierten Tieren bedroht. Nun versucht die Regierung, wieder Herr der Lage zu werden.

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Von
  • Inge Wünnenberg

Als ob nicht schon genug schief gelaufen wäre: Was den Kampf gegen eingewanderte, unliebsame Tiere und Pflanzen betrifft, hat der australische Kontinent bereits in der Vergangenheit einige Vorstöße unternommen. Die Population der Kaninchen, 1788 mit den ersten Strafgefangenen aus Europa ins Land gekommen, wird inzwischen von zwei unterschiedlichen Virusinfektionen in Schach gehalten. Das berichtet die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) nicht ohne Stolz auf ihrer Webseite.

In anderen Fällen jedoch hat die Innovationsfreude der Menschen in Down Under kläglich versagt. 1935 wurden zum Beispiel 100 Exemplare der hochgiftigen Aga-Kröte aus Venezuela zur biologischen Schädlingsbekämpfung importiert: Sie sollten eine Hilfe gegen den Zuckerrohrkäfer sein. Doch die Amphibien machten sich quasi ungehindert daran, den Kontinent zu erobern, wie die Sendung "Planet Wissen" von WDR und SWR ausführt. Auf dem Speiseplan der Agas stehen Eidechsen, Frösche, Schildkröten, Schlangen, Kaninchen und Kleinsäuger. Nicht einmal Krokodile sind vor den mittlerweile auf 200 Millionen geschätzten bis zu 23 Zentimeter langen und 1,5 Kilogramm schweren Tieren sicher.

Nachdem aber gegen Aga kein Unkraut gewachsen zu sein scheint, will die australische Regierung nun immerhin den Katzen ans Fell. Seit deren Ankunft im 17. Jahrhundert habe der australische Kontinent rund 130 Pflanzen- und Tierarten eingebüßt, führt Wissenschaftsjournalist Bernd Eberhart aus. Perfide Giftfallen sollen daher neben anderen Maßnahmen rund 2 Millionen Exemplare das Leben kosten, plant die Regierung. Der sind ebenso die im 19. Jahrhundert von Einwanderern nach Australien eingeführten Karpfen ein Dorn im Auge, die bald mehr als 80 Prozent des Fischbestands im Murray-Darling-Becken stellen. Für 2018 plant Vizepremier Barnaby Joyce deshalb, die schlammsaugenden Karpfen in dem Flusssystem im Süden Australiens Herpesviren auszusetzen, die speziell nur diese Fische töten.

Auch diesem Plan gingen intensive Forschungen bei CSIRO voraus: Bei den Versuchen hat sich gezeigt, dass der Virus 13 einheimische Fischarten, darunter der Murray cod, sowie die ebenfalls importierte Regenbogenforelle nicht angreift. Auch für Hühner, Mäuse, Frösche, Schildkröten und die Australische Wasseragame, die stellvertretend für Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien getestet wurden, war der Herpesvirus ungefährlich.

Doch welche Folgen diese Eingriffe langfristig haben werden, weiß man oft erst im Nachhinein. Hier gilt es also, Vor- und Nachteile genau abzuwägen, zumal auch die Entsorgung der toten Fische eine Herausforderung darstellen wird. Da drängt sich letzten Endes vor allem eine Frage auf: Der sich massenhaft vermehrende Karpfen entstammt Fischfarmen und ist somit ein ausgewiesener Speisefisch. Angesichts der immer leerer werdenden Weltmeere wäre es doch die einfachste Lösung, die Tiere herauszufischen und auf den Tisch zu bringen. Es scheint aber ähnlich wie bei den Aga-Kröten zu sein. Sie wählen ihr Futter selbst – und für die Menschen in Down Under scheint die Regenbogenforelle die begehrtere Delikatesse zu sein. Dabei wäre das eine umweltfreundliche, ökologische und in jeder Hinsicht elegante Lösung: nicht vergiften, sondern aufessen. (inwu)