Ab wann spart Standby?

Mit Freunden streite ich seit langem darüber, ab welcher Zeitspanne das Abschalten eines Computers zum Stromsparen beiträgt. Es hält sich das hartnäckige Gerücht, dass ein Desktop-PC beim Einschalten so viel Strom braucht, wie wenn er mehrere Stunden lang liefe. Stimmt das?

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Mit Freunden streite ich seit langem darüber, ab welcher Zeitspanne das Abschalten eines Computers zum Stromsparen beiträgt. Es hält sich das hartnäckige Gerücht, dass ein Desktop-PC beim Einschalten so viel Strom braucht, wie wenn er mehrere Stunden lang liefe. Stimmt das?

Nein. Beim Hochfahren arbeitet ein Computer einige Minuten lang annähernd unter Volllast. Dabei zieht er typischerweise das Doppelte bis Dreifache der elektrischen Leistung, die er im unbelasteten Betriebszustand schluckt, also bei ruhendem Windows-Desktop (On/Idle). Wenn der gesamte Startvorgang beispielsweise 3 Minuten dauert, dann entspricht das 6 bis 9 Minuten unbelastetem Dauerbetrieb.

Wenn man dazu noch die kurze Volllast-Phase addiert, die ein Windows-PC beim „Herunterfahren“ absolviert, kann man den Energiebedarf eines Abschalt/Einschalt-Zyklus mit etwa 10 Minuten PC-Normalbetrieb vergleichen. Das Abschalten des Rechners lohnt sich also zwecks Energiesparen schon dann, wenn eine Arbeitspause absehbar länger dauert als 10 Minuten.

Es ist aber bei typischer PC-Nutzung unpraktisch, die Wartezeit bis zum automatischen Abschalten des Rechners kürzer als 20 oder 30 Minuten zu wählen. Statt des kompletten Herunterfahrens empfiehlt sich für kurze Pausen die Nutzung des Standby-Modus. Schlecht konfigurierte Rechner erreichen im Windows-Standby allerdings lediglich den sogenannten ACPI-S1-Modus, bei dem aktuelle Computer kaum weniger Strom ziehen als im On/Idle-Betrieb - die Lüfter rauschen dabei weiter, das Netzteil versorgt alle Komponenten - das merkt man etwa daran, dass die Schublade eines optischen Laufwerks auf Tastendruck ausfährt. Wirklich sparsam sind erst der Suspend-to-RAM-Zustand (ACPI S3) oder der Windows-Ruhezustand (Hibernation, Suspend-to-Disk, ACPI S4). Dabei sind die meisten PCs fast so genügsam wie im „Soft-Off“-Modus (ACPI S5), in dem ebenfalls Teile des Mainboards versorgt sein müssen, damit sich der Rechner per Tastendruck wecken lässt. Zwecks Energiesparen empfiehlt es sich deshalb übrigens, einen heruntergefahrenen PC (etwa mittels schaltbarer Steckdosenleiste) komplett vom Stromnetz zu trennen. Bei einem PC, der im Suspend-to-RAM-Zustand schlummert, ist das hingegen keine gute Idee - der im Hauptspeicher gepufferte Systemzustand ginge beim Abschalten der Energieversorgung verloren. (ciw) (ciw)