Werbeblocker im Opera-Browser: Im eigenen Unternehmen unbeliebt gemacht

Opera will beim Adblocking per Black- und Whitelists auf die eigene Website keine RĂĽcksicht nehmen. Das sei im Unternehmen umstritten, berichtet Krystian Kolondra. Im Interview gab der Senior Vice President spannende Einblicke in die Browser-Entwicklung.

vorlesen Druckansicht 57 Kommentare lesen
Opera im Wandel
Lesezeit: 2 Min.
Von

Die schwachen Releases, die auf Operas Version 12 folgten, sind beinah vergessen: Europas größter Browser-Hersteller überraschte mit Funktionen wie VPN, Mobil-Browser und Werbeblocker.

Krystian Kolondra verantwortet als Senior Vice President maĂźgeblich den Kurs Operas bei der Browser-Entwicklung.

Krystian Kolondra, der als Senior Vice President maßgeblich Operas Browser-Entwicklung verantwortet, räumte im c't-Interview ein, dass nicht alle Neuerungen im eigenen Haus gut angekommen seien.

Opera nutzt ab Version 37 die EasyList zur Filterung; das sei die am wenigsten kontroverse Liste, glaubt Kolondra. Das Unternehmen will den Werbeblocker nicht vor den Websites verbergen. Eine Whitelist habe man nur für Suchmaschinenwerbung – nicht einmal opera.com stehe auf dieser Whitelist.

Ab Opera 38 können die Benutzer ihre eigenen Black- und Whitelists nutzen, versicherte Kolondra. "Wir geben dem Benutzer die Wahl. Und es ist auch ein Signal für uns selbst – wie viele Leute benutzen das gegen uns?"

Der Senior Vice President berichtete, dass die meiste Werbung nicht optimiert ist und den Energieverbrauch des Rechners hochtreibt. Die Auswirkungen auf Geschwindigkeit und Stromverbrauch seien eklatant. "Wir wollten den Adblocker in die Engine einbauen, denn auf diese Weise ist er um 40 Prozent schneller als die Erweiterungen."

Akzeptabel findet Kolondra Werbung in Suchtreffern: Der Benutzer suche schließlich nach Ergebnissen und diese Werbung verlangsame die Seite nicht. Schlechte Werbung könne das Laden in einem langsamen Netzwerk dagegen um 10, 20 Sekunden verzögern. In den letzten zehn Jahren habe sich die Klickrate von Werbung nochmals verringert – von knapp drei auf weniger als ein Prozent. "Doch statt die Benutzererwartungen besser zu bedienen, zeigt man einfach dreimal so viel Werbung", beklagte Kolondra.

Weil der Werbeblocker kontrovers sei, habe Opera ihn nicht per Default aktiviert. Man wolle aber ein deutliches Signal geben, und habe ihn deshalb direkt in den Browser eingebaut. Andere Browser würden womöglich folgen. Pläne zur Kommerzialisierung des Adblocker habe das Unternehmen nicht: "Wir werden nicht Werbung durch andere austauschen oder von den Werbetreibenden Geld verlangen, damit ihre Anzeigen nicht blockiert werden", erklärte Kolondra.

Das vollständige Interview über Black- und Whitelists, Browser-VPN, Multitasking und und Touchscreens mit Operas Senior Vice President Krystian Kolondra und Vice President Thomas Wikberg finden Sie auf ct.de.
(jo)