Kraftanzug statt Gehstock
So genannte Exoskelette sollen Arbeitern, Soldaten und Kranken künstliche Kräfte verleihen. Ein frisch ausgegründetes Unternehmen arbeitet jetzt an einem besonders flexiblen und effizientem Modell namens Superflex.
- Signe Brewster
Niemand möchte gern mit einem Gehstock herumlaufen, doch mit zunehmendem Alter lässt sich das oft nicht mehr vermeiden. Ein Team bei Superflex, einem frischen Spin-Off von SRI International, hat aber vielleicht bald eine Alternative anzubieten.
Das Unternehmen arbeitet an tragbaren Roboter-Anzügen und anderer Kleidung, die Soldaten dabei helfen soll, schwere Lasten zu tragen, und Senioren dabei, ganz normale Aufgaben zu meistern. Ein aktueller Prototyp ist ein weicher Anzug, der den Großteil des Körpers bedeckt. Dabei leistet er Unterstützung für Beine, Arme und Torso genau dann, wenn sie gebraucht wird, um schwer zu tragen oder körpereigene Schwächen zu beheben.
Exoskelett, das dem Menschen WĂĽrde zurĂĽckgeben soll
Ein Gehstock ist eine "sehr kostengünstige Lösung" für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, sagt Manish Kothari, President von SRI Ventures. Allerdings gehe er auch vollkommen auf Kosten von "eigenen Fähigkeiten, Würde und Freiheit" und verursache "eine ganze Reihe von weiteren Problemen". Ziel von Superflex sei es, alle Elemente zu entfernen, die psychologische Belastungen bedeuten und letztlich, "dem Individuum seine Würde zurückzugeben".
Ein Senior mit zittrigen Händen könnte eine solche Vorrichtung benutzen, um wieder fest zugreifen zu können. Oder ein Soldat könnte den Anzug tragen, um sich beim Marschieren mit schwerem Gepäck nicht zu sehr zu verausgaben.
Der Anzug-Prototyp ist mit einer Reihe von Sensoren ausgestattet, mit denen er die individuellen Bewegungen des Träger erlernt und dann nur bei den richtigen Gelegenheiten unterstützt. Dadurch halten die Batterien deutlich länger, als wenn der Anzug immer aktiv Hilfe leisten würde (allerdings gibt es zur Reichweite noch keine Angaben). Das ist von Bedeutung, denn Computer werden zwar immer schneller, doch Batterien und Motoren sind immer noch relativ schwer.
Mit technischer Hilfe wieder Treppen steigen
"Für eine alternde Bevölkerung oder Menschen mit Einschränkungen aufgrund von Verletzungen oder Krankheiten könnte der Anzug Mobilität und Unabhängigkeit zurückbringen und somit die Lebensqualität erhöhen", sagt Volker Bartenbach, ein Exoskelett-Forscher an der ETH Zürich, der nicht an Superflex beteiligt ist. Beispielsweise könnten Menschen mit technischer Hilfe wieder Treppen steigen. Zudem könne ein solcher Anzug auch die Produktivität bei der Arbeit erhöhen und das Verletzungsrisiko verringern.
Neben Superflex befinden sich noch weitere Kraftanzüge für medizinische oder industrielle Zwecke in der Entwicklung. Der Phoenix Suit für 40.000 Dollar zum Beispiel soll Menschen beim Gehen helfen, die von der Hüfte abwärts gelähmt sind. Ein anderer durch Gedankenkraft gesteuerter Anzug von der Duke-Universität in North Carolina hatte bereits im vergangenen Jahr acht querschnittsgelähmten Menschen dabei unterstützt, ihre Beinmuskeln wieder willkürlich zu bewegen. Weitere Anzüge, die nicht darauf abzielen, die Mobilität komplett wiederherzustellen, entstehen bei Hyundai oder am Wyss Institute der Harvard University. Besonders am Superflex ist seine geringe Größe und die Fähigkeit, die individuellen Bewegungen des Trägers zu erlernen, um zur richtigen Zeit Zusatzkraft zu liefern.
Das Anziehen des Exoskeletts verbessern
Zum Preis oder zum endgĂĽltigen Aussehen des Anzugs will Kothari nichts sagen, weil derzeit die Optionen fĂĽr seine Kommerzialisierung analysiert wĂĽrden. Aktuell dauert das Anziehen mit etwas Ăśbung noch um die fĂĽnf Minuten, bei einem fertigen Produkt soll es innerhalb von zwei Minuten erledigt sein. Wie Kothari betont, war Bezahlbarkeit bei jedem Schritt des Entwicklungsprozesses ein eigenes Ziel. DarĂĽber hinaus arbeitet SRI International noch an mehreren anderen Projekten, bei denen es darum geht, Menschen mit motorisierter Kleidung das Leben zu erleichtern.
(sma)