Google: Wirbel um Auto-Vervollständiger
Versucht der Suchmaschinen-Gigant, über die Funktion zur Autovervollständigung der Sucheingabe die Anfragen zu manipulieren?
Wenn man bei Google einen Suchbegriff nur teilweise eingibt, schlägt die Suchmaschine mehrere Varianten vor, wie sie die unvollständige Eingabe komplettieren könnte. Auf diesem Wege wäre eine immerhin indirekte Beeinflussung von Suchergebnissen denkbar, nach der Melodie „Du meintest doch bestimmt ... – oder etwa nicht?“. Vorwürfe, dass Google dergleichen gezielt einsetzen würde, sind nicht neu und wiederholen sich im Laufe der Zeit.
Ein solcher Manipulationsversuch wird Google jetzt rund um den Präsidentschafts-Wahlkampf in den USA unterstellt. Die US-amerikanische News-Seite Source Fed behauptet, wenn man etwa „Hillary Clinton cri“ als Suchbegriff eingebe, würde die Suchmaschine als Vorschläge zur Vervollständigung „hillary clinton crime reform“, „hillary clinton crisis“ oder „hillary clinton crime bill 1994“ anzeigen. Andere Suchdienste wie Yahoo oder Bing würden davon abweichende Vorschläge machen, etwa „hillary clinton criminal charges“, „hillary clinton crimes“ oder „hillary clinton criminal record“.
In vergleichbarer Weise könnte das auch bei Suchbegriffen wie „donald trump ra“ oder „donalt trump la“ geschehen. Hier sollte man eigentlich erwarten, dass „donald trump rape“ (Vorwurf im Zusammenhang mit seinem Scheidungsprozess) oder „donald trump lawsuit“ (angesichts der zahlreichen Prozesse um diesen Kandidaten eine naheliegende Option) erscheinen würde. Doch Berichten wie etwa diesem zufolge schlägt Google hier unverfängliche Suchbegriffe wie „donald trump rally“, „donald trump ratings“ oder „donald trump rap songs“ vor.
Derzeit lässt sich der Wahrheitsgehalt solcher Anschuldigungen nicht verifizieren, schon deswegen, weil die Behandlung von Suchanfragen über die deutsche Google-Seite nicht unbedingt genau so erfolgen muss wie auf Google.com in den USA. Hierzulande liefert beispielsweise „donald trump ra" die Vervollständigung "donald trump racist".
Doch dass im milliardenschweren Kampf um das höchste Amt der USA auch schmutzige Tricks eingesetzt werden könnten, dürfte niemanden überraschen. (uh)