Luftsensoren: Ist bei Ihnen dicke Luft?
Mit einem 200 Dollar teuren Gerät kann man prüfen, ob die Raumluft gesundheitsgefährdend ist. TR-Autor Simson Garfinkel hat es einen Monat lang getestet.
- Simson Garfinkel
Ich wollte es erst nicht glauben, doch die Eier, die sich meine Jungs jeden Morgen zum Frühstück braten, bringen mich möglicherweise früher ins Grab, als mir lieb ist. Schuld sind die winzigen Bratfettpartikel, die von der Ofenhitze in die Luft befördert werden. Auch PM2,5 genannt, weil sie Größe von 2,5 Mikrometern haben, werden von Forschern mit Asthmaanfällen (an denen ich leide), Herzkrankheiten, Schlaganfällen und sogar Autismus und ADHS bei Kindern in Verbindung gebracht, deren Mütter ihnen während der Schwangerschaft ausgesetzt waren.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass 80 Prozent aller Menschen in städtischen Umgebungen leben, in denen solche problematischen Partikel in der Luft sind. Und es kommt zu zahlreichen Todesfällen.
Oft sind hier schlecht belüftete Kochstellen in Innenräumen schuld oder auch Feuer von Heizsystemen. In meinem Townhouse in Arlington, Virginia, gibt es eigentlich beides nicht. Trotzdem ging das PM2,5-Niveau immer dann in gesundheitsschädliche Regionen, wenn wir etwas auf unserem Elektroherd anbrieten.
PM2,5-Luftpartikel sind eigentlich unsichtbar, doch eine neue Generation von Luftsensoren erlaubt es, sie schnell zu erkennen und Auslöser abzustellen. Im Fall meiner Familie lernten wir, dass eine stärkere Abzugshaube half – sie reduziert die Partikel von 250 auf 100 Mikrogramm pro Kubikmeter. Um sie auf unter 50 Mikrogramm zu bekommen, mussten wir die Fenster im vorderen und hinteren Bereich des Hauses öffnen, um durchzulüften. Das klappt natürlich nur, wenn die Außenluft sauberer ist als die Innenluft – was nicht immer der Fall ist.
All diese Luftqualitätsinformationen erhalte ich von einem Gerät, dass ich mir im März gekauft habe. Der Speck 2.0 kostet 200 Dollar und enthält winzige Luftsensoren, einen nahezu lautlosen Lüfter und einen berührungsempfindlichen Bildschirm, der das aktuelle Partikelniveau anzeigt. Es gibt außerdem einen Farbbalken, der das Gefahrenniveau präsentiert. Das Gerät speichert zudem Daten über einen längeren Zeitraum.
Es ist mit einer WLAN-Verbindung ausgestattet, die es erlaubt, Luftqualitätsmessungen im Internet zu archivieren und sich weitere Daten anderer Quellen anzuzeigen, etwa das aktuelle Luftqualitätsniveau im Außenbereich.
Der Speck 2.0 stammt von Airviz, einem zwei Jahre alten Spinoff der Carnegie Mellon University. Auch wenn es noch andere Luftsensoren auf dem Markt gibt, ist das kleine Gerät eine Besonderheit. Weil es einen Bildschirm hat, lässt sich die aktuelle und zurückliegende Luftqualitätsituation einfach ablesen. WLAN erlaubt den kontinuierlichen Upload der Daten auf die Airviz-Website. Man kann die Messungen natürlich auch nur geschützt speichern lassen oder anonymisierte Daten öffentlich machen. Airviz nutzt sie dann für "Citizen Science"-Projekte, die beispielsweise Weltkarten der Luftqualität zusammentragen. Zusätzlich gibt es auch eine Smartphone-Anbindung, über die man sich von jedem an das Internet angeschlossenen Ort der Erde Daten seines heimischen Sensors ansehen kann.
In den kommenden Jahren könnten kostengünstige Luftsensoren wie der Speck 2.0 dafür sorgen, dass die Menschheit deutlich mehr Daten über die Luftqualität in Innen- und Außenräumen sammelt. Luftverschmutzer sollten sich so leichter auffinden lassen – sei es nun eine schmutzige Dieselmaschine in der Nachbarschaft, industrielle Luftverpester oder ein Herd mit einem zu schwachen Abzug wie in meinem Fall.
"Bei Asthma ist die Luftqualität ein ungeheuer wichtiger Wert, den es zu kontrollieren gilt, um die Krankheit in den Griff zu bekommen. Wir können unsere Umgebung deutlich sauberer machen, wenn wir das nur verstehen", sagt Airviz-Präsidentin Illah Nourbakhsh.
Eine weitere Überraschung für meine Familie war die Tatsache, wir stark sich die Luftqualität in Außenbereichen von Tag zu Tag verändert. Nach der Installation zeigte das Gerät PM2,5-Werte stets unter 1. Dann brannte im April der Shenandoah National Park und es ging über 1 auf teilweise 10 hoch – auch in Innenräumen.
Der Speck kann auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit speichern. Es gibt auch Sensoren auf dem Markt, die das Niveau volatiler organischer Verbindungen (VOC), von Kohlenmonoxid und den Sauerstoffgehalt messen. Doch bei den VOC-Sensoren habe sich gezeigt, dass deren Messleistung mit der Zeit deutlich schlechter wurde, so Nourbakhsh. In vielen Häusern seien zudem Kohlenmonoxidsensoren mittlerweile längst installiert.
Nach zwei Monaten mit dem Speck 2.0 kann ich ein positives Ergebnis vermelden. Meiner ganzen Familie ist jetzt klar, welche Auswirkungen unsere täglichen Aktivitäten auf die Luftqualität haben. Bläst man eine Kerze aus, geht der Partikelwert nach oben – es ist viel sauberer, sie mit zwei feuchten Fingern zu löschen. Einige Liebhaber frischer Luft haben Kerzen nach Anschaffung ihres Luftsensors sogar ganz abgeschafft.
Besonders gefährlich werden Partikel in der Luft natürlich erst dann, wenn man ihnen über einen längeren Zeitraum ausgesetzt ist. Wir achten jetzt etwa beim Kochen stärker darauf, die Abzugshaube aufzudrehen – und die Fenster zu öffnen, wenn auch draußen die Luft sauber ist. (bsc)