Warnhinweise gegen Zucker
Immer mehr US-Städte wagen den Alleingang: Philadelphia entscheidet sich für Limosteuer – und San Francisco ordnet Warnhinweise auf Werbetafeln an.
- Inge WĂĽnnenberg
Übergewicht ist auch hierzulande zunehmend ein Thema: Da braucht man eigentlich nicht über die Grenzen oder gar bis nach Übersee zu blicken. Doch die Amerikaner können uns inspirieren, was sich gegen rund 67 Prozent übergewichtige Männer sowie 53 Prozent übergewichtige Frauen, aber auch 15 Prozent zu schwere Kinder und Jugendliche in unserem Land unternehmen lässt. Mexiko hat sich zum Beispiel bereits Ende 2013 für eine Steuer auf Softdrinks entschieden.
In den USA ziehen nun einzelne Kommunen nach: Es begann vor anderthalb Jahren mit der kalifornischen 120.000-Einwohner-Stadt Berkeley, die als erste US-Kommune eine Steuer eingeführt hat. Inzwischen erreichte der Trend die amerikanische Ostküste. Vor einigen Tagen stimmte der Stadtrat von Philadelphia, wie die Schweizer Handelszeitung berichtet, für eine Sondersteuer von 50 US-Cent pro Liter Limonade. Auch hier hatte die Getränkeindustrie zuvor in eine millionenschwere Kampagne investiert und erbitterten Widerstand geleistet. Daher feierte Jim Kenney, Bürgermeister der 1,5 Millionen Einwohner Philadelphias, das Ergebnis als "großen Sieg": Immerhin sind 68 Prozent seiner erwachsenen Mitbürger und 41 Prozent der Kinder seiner Stadt übergewichtig.
Es ist zu hoffen, dass Entscheidungen wie in Mexiko, Berkeley und Philadelphia weltweit allmählich ein Umdenken und ein neues Problembewusstsein bewirken werden. In den USA führt nun zum Beispiel San Francisco als zusätzlicher Vorreiter zum 25. Juli Banner für alle Tafeln mit Werbung für zuckerhaltige Getränke ein: "Warnung: Getränke mit hinzugefügtem Zucker tragen zu Übergewicht, Diabetes und Karies bei. Dies ist eine Botschaft der Stadt und des Countys von San Francisco", wird künftig auf den Reklameflächen ebenfalls zu lesen sein.
Gleiche Maßnahmen wie die Kalifornier in San Francisco zu ergreifen, erwägen die Stadt Baltimore sowie die Staaten von New York, Vermont und Washington. In Großbritannien etwa hat das Parlament bereits in diesem Frühjahr die Einführung einer Zuckersteuer befürwortet, aber den Produzenten eine Frist von zwei Jahren bis zum Inkrafttreten gelassen: quasi eine Gelegenheit zu Veränderungen. In vielen Gegenden der Welt kommt also offensichtlich etwas ins Rollen. Den Trend zu immer süßeren Produkten und immer mehr Süßem zu hinterfragen, wäre vielleicht gar nicht so verkehrt. (inwu)