MoneyConf: Die API-fizierung des Bankwesens
Offene Schnittstellen, bessere "User Experiences", Apps, Machine Learning - die IT-Branche schickt sich an, dem Banking ein neues Gesicht zu geben. Weiteres wichtiges Thema auf der Fintech-Konferenz MoneyConf: Das Damoklesschwert Brexit.
"Wir sind gut in traditionellem Banking", sagte Carlos Torres, der Chef der spanischen Bank BBVA, bei dem Fintech-Kongress MoneyConf. Aber das genĂĽge nicht mehr. Banking mĂĽsse individueller, mobiler, einfacher werden. Es gehe auch nicht mehr nur darum, den Kunden bei Geldbewegungen zu helfen. Vielmehr mĂĽsse eine Bank dem Kunden dabei unterstĂĽtzen, "gute Entscheidungen zu treffen".
Das versucht das mehr als 150 Jahre alte Kreditinstitut nicht nur aus sich heraus. Vielmehr öffnet es sich anderen Unternehmen. Dazu hat es Ende letzten Jahres Programmierschnittstellen (APIs) veröffentlicht, mit dem externe Unternehmen auf seine Legacy-Daten zugreifen können - normalerweise der abgeschottete Schatz einer Bank. Drittunternehmen können mit den APIs Anwendungen bauen, von denen alle profitieren sollen – die Bank, ihre Kunden und die Drittanbieter.
Banken öffnen sich
Das Bankenwesen, lange Zeit ein Spielfeld großer monolithischer Player, wird offener – notgedrungen. Kunden wollen nicht mehr die altbackenen Dienste der großen Banken, sondern schicke Apps, wie sie zum Beispiel das deutsche Start-up Number 26 bietet. Schlechte Presse, die das Unternehmen kürzlich bekam, weil es einigen Kunden kündigte, haben ihm scheinbar nicht geschadet. Auf der MoneyConf konnte Valentin Stalf, der CEO von Number26, den Abschluss einer neuen Series-B-Finanzierungsrunde über 40 Millionen Euro bekanntgeben.
Im Extremfall entstehen so neue Plattformen. Bud soll so ein Marktplatz für Finanzprodukte aller Art werden. Anwender sollen sich mit der Bud-App unter den Angeboten der verschiedensten Unternehmen die passenden aussuchen und dort auch ihre Geldgeschäfte verrichten können. Bud soll noch im Juli an den Start gehen. Auf der MoneyConf sucht das Unternehmen noch nach Geldgebern.
Kommt der Brexit?
Auch wenn keiner der Redner so wirklich daran glauben mochte, dass die Briten die EU verlassen – der drohende Brexit war ein großes Thema auf der Konferenz. Verschiedene Unternehmen, die mit internationalen Geldflüssen hantieren, meldeten eine deutliche Zunahme der Bewegungen aus dem Pfund in den Euro. Offenbar sind sich die Briten nicht so sicher, dass der Brexit nicht kommt, und wollen ihre Rücklagen in Sicherheit bringen.
Für die europäische Fintech-Branche jedenfalls wäre der Brexit ein herber Dämpfer, meint David Birch von Consult Hyperion. Sie lebe derzeit auch von einem stabilen regulatorischen Umfeld, das 500 Millionen Menschen einschließt. Würde dieser Markt durch den Brexit fragmentiert, würde das auch die Branche zurückwerfen. (jo)