Windows 98 fliegt

Ich möchte der Behauptung im Artikel „Späte Reue“ (c't 15/08, S.188), dass Windows 98 auf moderner PC-Hardware lahm und wegen Treibermangel nicht zu gebrauchen sei, massiv widersprechen. Als ich im Februar 2008 auf die Schnelle einen unverzichtbaren Windows-98-PC ersetzen musste, habe ich mir einen Primergy-Econel-Server der Serie 100 von FSC gegriffen. Sein D2179-Board hat einen drei Jahre alten E7230-Serverchipsatz von Intel, was die Chancen auf Windows-98-Tauglichkeit natürlich erhöht hat. Ferner verfügte der Rechner unter anderem über 1 GByte ECC RAM, zwei 160er-SATA-Drives und PD925-3,0-CPU.

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Von
  • Detlef Grell

Ich möchte der Behauptung im Artikel „Späte Reue“ (c't 15/08, S.188), dass Windows 98 auf moderner PC-Hardware lahm und wegen Treibermangel nicht zu gebrauchen sei, massiv widersprechen. Als ich im Februar 2008 auf die Schnelle einen unverzichtbaren Windows-98-PC ersetzen musste, habe ich mir einen Primergy-Econel-Server der Serie 100 von FSC gegriffen. Sein D2179-Board hat einen drei Jahre alten E7230-Serverchipsatz von Intel, was die Chancen auf Windows-98-Tauglichkeit natürlich erhöht hat. Ferner verfügte der Rechner unter anderem über 1 GByte ECC RAM, zwei 160er-SATA-Drives und PD925-3,0-CPU.

Nach der Kopieren eines Platten-Images auf eine der RAID-Platten im Server wollte der Rechner zunächst nicht starten. Erst nach Abschalten der PCI-Parity im BIOS gelang dies. Über den Eintrag MaxFileCache=524288 im Bereich [vcache] der Datei SYSTEM.INI habe ich die für Windows 98 unverständlichen oberen 512 MByte RAM ausgeblendet. Da der Rechner nur 1 GByte Speicher hatte, störte es nicht, dass sich mittels vcache-Eintrag nur 800 MByte RAM ausblenden lassen.

Die im Serverchipsatz enthaltene ATI-Rage XL erkannte das eingesetzte Windows-98-Image direkt, dennoch habe ich den aktuellen Omega-Treiber installiert (alle Downloads siehe Soft-Link), der die Hardware besser ausnutzt.

Das Thema Serial ATA war keins, weil das Rechner-BIOS einen Compatibility Mode anbietet – leider keine Selbstverständlichkeit. Mit dem Windows-2000-Treiber ließ sich der Broadcom-Gigabit-Chipsatz des Rechners zur Mitarbeit überreden. Allerdings resultierte die unfertige ACPI-Treiberunterstützung von Windows 98 in einem Hänger beim Herunterfahren des Rechners – ein bekanntes Problem. Nach Stilllegen des Onboard-LAN und Ersatz durch eine aktuelle 7-Euro-Realtek-Karte war dann aber der 1-Sekunden-Shut-Down perfekt.

Mit diesen Maßnahmen benötigte Windows 98 vom Erscheinen des Schriftzugs „Windows 98 wird gestartet“ bis zum Login-Prompt nur 3,2 Sekunden. Und auch im Betrieb ist mir noch kein so schnelles Windows 98 untergekommen.

Derart ermutigt habe ich weitergemacht: Universelle USB-2.0-Unterstützung erreichte ich durch den Gerätetreiber „Maximus Decim Native USB“ und die meisten sonstigen Ärgernisse behob das inoffizielle Windows 98 Service Pack. Die Ergebnisse damit in der c't-Redaktion scheinen allerdings nicht so ermutigend gewesen zu sein (www.heise.de/newsticker/meldung/47592).

Aus Neugier habe ich noch andere PCs neuerer Baujahre unter Windows 98 ausprobiert. Und siehe da: Es gab kaum ein System, das nicht nach einer Stunde plus maximal 20 Euro teurer Zusatzhardware mit dem alten Microsoft-Betriebssystem vertragen hätte. Probleme, die bei Soundkarten auftreten, lassen sich meist mit einer 6-Euro-Einsteckmedizin mit C-Media-Chipsatz behandeln. Moderne Notebooks habe ich allerdings bisher noch nicht zur zufriedenstellenden Zusammenarbeit mit Windows 98 bewegen können.

Nicht verschweigen will ich an dieser Stelle einen gewichtigen Grund, sich von Windows 98 zu verabschieden und stattdessen auf Windows XP oder Vista zu setzen: Microsoft veröffentlicht keine Sicherheits-Updates mehr für das alte System, das Surfen im Internet ist deshalb mit hohem Infektionsrisiko verbunden. (Peter Averkamp/gr)

Soft-Link (gr)