12-Volt-Schienen unterscheiden
Meine neue PCI-Express-Grafikkarte besitzt eine 6-polige Zusatzbuchse, ĂĽber die sie direkt vom Netzteil Strom beziehen soll. Allerdings bietet mein Netzteil kein dazu passendes Kabel, weshalb ich den Adapter verwenden will, der der Grafikkarte beiliegt. Dieser Adapter besitzt nun zwei Buchsen fĂĽr die ĂĽblichen Laufwerks-Stromstecker. Was mich aber verwirrt: Laut Anleitung zur Grafikkarte soll man beide mit jeweils unterschiedlichen Spannungsschienen (12V1 und 12V2) verbinden. Wie bewerkstellige ich das am besten?
Meine neue PCI-Express-Grafikkarte besitzt eine 6-polige Zusatzbuchse, ĂĽber die sie direkt vom Netzteil Strom beziehen soll. Allerdings bietet mein Netzteil kein dazu passendes Kabel, weshalb ich den Adapter verwenden will, der der Grafikkarte beiliegt. Dieser Adapter besitzt nun zwei Buchsen fĂĽr die ĂĽblichen Laufwerks-Stromstecker. Was mich aber verwirrt: Laut Anleitung zur Grafikkarte soll man beide mit jeweils unterschiedlichen Spannungsschienen (12V1 und 12V2) verbinden. Wie bewerkstellige ich das am besten?
Das ist mit Ihrem Netzteil wahrscheinlich unmöglich. ATX12V-Netzteile versorgen zwar (mindestens) zwei 12-Volt-Zweige, aber an der Schiene 12V1 hängen üblicherweise alle Laufwerksanschlüsse gemeinsam und der 12V2-Zweig ist ausschließlich für die Versorgung des Hauptprozessors über den ATX12V-Stecker vorgesehen.
Die ATX12V-Spezifikation sieht mehrere 12-Volt-Schienen vor, um die stärksten Verbraucher im PC-System weitgehend unabhängig voneinander zu versorgen. Mit dem leistungshungrigen Pentium 4 hatte Intel ungefähr zur Jahrtausendwende mit ATX12V zunächst die Aufspaltung in 12V1 und 12V2 eingeführt; für Server und Workstations mit mehreren (oder Mehrkern-)Prozessoren verlangen die Standards der Server-System-Infrastructure-Industrievereinigung (SSI) auch Netzteile mit mehr als zwei separaten 12-V-Schienen. Heute gängig ist etwa EPS12V mit einem 8-poligen Stecker für den CPU-Kernspannungswandler, der diesen mit zwei 12-Volt-Zweigen versorgt.
Mit PCI Express beziehungsweise PCI Express for Graphics (PEG) kam etwa 2004 die Vorgabe, dass PEG-Karten bis zu 75 Watt Leistung aus dem PCIe-x16-Slot ziehen dürfen; noch kräftigere Karten – wie die Ihre – mit bis zu 150 Watt Bedarf tragen dann einen 6-poligen Stecker, der zusätzlich Strom liefert. An diesem sogenannten PCI-Express-Stecker sind zwei 12-Volt-Adern vorgesehen, die durchaus an derselben 12-Volt-Schiene hängen dürfen. Um aber die Strombelastung pro Ader und Steckkontakt auf ein verträgliches Maß zu begrenzen, sind eben zwei parallele Leitungen vorgesehen.
Der mit der Grafikkarte gelieferte Adapter ermöglicht streng genommen keine standardkonforme Versorgung der Karte, denn der PCI-Express-Stromstecker wurde ja eigentlich für eine direkte Verbindung zu Netzteilen ersonnen, die für die Versorgung kräftiger Grafikkarten ausgelegt sind. Solche Netzteile sind mit Nennleistungen ab etwa 380 Watt erhältlich. Trotzdem funktionieren die Anschlussadapter meistens zuverlässig, sofern das Netzteil auf der 12V1-Schiene ausreichend belastbar ist. Sie sollten aber auf jeden Fall die beiden Laufwerks-Stromstecker des Adapters mit zwei separaten Leitungen des Netzteils verbinden und nicht etwa mit zwei 4-poligen Buchsen, die am selben Kabel hängen.
Die Stromkontakte des PEG-Slots sind bei vielen Mainboards mit dem ATX12V-Anschluss für den CPU-Spannungswandler verbunden; neuere Boards nutzen auch die vier zusätzlichen Kontakte des 24-poligen Main-Power-Steckers auf dem Mainboard, den die ATX12V-2.0-Spezifikation gebracht hat (der alte Stecker hat 20 Pole). Wer noch kein ATX12V-Netzteil besitzt und deshalb bereits die ATX12V-Buchse des Mainboards via Adapter über einen Laufwerks-Stromanschluss speist, muss allerdings mit Instabilitäten rechnen, wenn er eine kräftige PEG-Grafikkarte einbaut – dann helfen auch weitere Adapter-Notlösungen kaum weiter, sondern nur ein neues ATX12V-(2.0-)Netzteil, möglichst mit PCI-Express-Zusatzleitung. (ciw) (ciw)