Sparsam oder erweiterbar
Mein neuer Desktop-Rechner soll möglichst wenig Energie schlucken, doch ein Notebook oder ein Mini-PC kommen für mich nicht infrage – ich brauche schon eine gewisse 3D-Leistung für Spiele. Außerdem möchte ich das Gerät in ein oder zwei Jahren aufrüsten können, etwa eine schnellere Grafikkarte, mehr RAM oder zusätzliche Festplatten einbauen. Kann ich einen Mobilprozessor mit einer gewöhnlichen Grafikkarte kombinieren?
Mein neuer Desktop-Rechner soll möglichst wenig Energie schlucken, doch ein Notebook oder ein Mini-PC kommen für mich nicht infrage – ich brauche schon eine gewisse 3D-Leistung für Spiele. Außerdem möchte ich das Gerät in ein oder zwei Jahren aufrüsten können, etwa eine schnellere Grafikkarte, mehr RAM oder zusätzliche Festplatten einbauen. Kann ich einen Mobilprozessor mit einer gewöhnlichen Grafikkarte kombinieren?
Grundsätzlich schon, aber das bringt wenig, denn die Vorteile sparsamer Mobilkomponenten lassen sich nur bei exakt angepasster Systemkonfiguration voll ausreizen – insbesondere, indem man auf Erweiterbarkeit verzichtet. Sie müssen also selbst einen individuellen Kompromiss finden zwischen energetischer Genügsamkeit, Systemperformance und Ausbaureserven.
Trotz aller Effizienzsteigerungen besteht weiterhin ein enger Zusammenhang zwischen elektrischer Leistungsaufnahme und Rechenleistung von Hauptprozessoren und Grafikchips. Mobilkomponenten kosten zudem meistens deutlich mehr als gleich schnelle, aber weniger effiziente Desktop-PC-Chips. Aber auch mit einem Notebook-Prozessor kommen PCs nicht auf das Stromsparniveau von Klapprechnern herunter. Die teuren Mainboards für Mobilprozessoren lohnen sich also für den von Ihnen angepeilten Einsatzzweck nicht. Mit untertakteten Desktop-PC-Komponenten und Spezialnetzteilen stößt man in ähnlich sparsame Regionen vor (siehe c't 4/08, S. 90).
Für einen sparsamen, aber aufrüstbaren Desktop-PC empfiehlt sich ein Mainboard mit Onboard-Grafik (Chipsätze AMD 780G, Intel G33/G45, Nvidia GeForce 7000/nforce 630) zusammen mit einem nicht zu hoch getakteten Dual-Core-Prozessor, etwa aus den 45- oder 65-Watt-Klassen von AMD oder Intel. Wenn die 3D-Performance nicht reicht, rüstet man eine Grafikkarte nach; solche von AMD oder Nvidia laufen sogar mit denselben Treibern wie die Onboard-Grafik dieser Hersteller. Einige Mainboards mit integrierter Grafik können bestimmte Grafikkarten im laufenden Windows-Vista-Betrieb abschalten; bisher funktionieren Hybrid CrossFireX und Hybrid SLI aber noch etwas unkomfortabel.
Für einen Rechner mit Onboard-Grafik, 65-Watt-CPU sowie einer oder zwei Festplatten würde eigentlich ein 150-Watt-Spannungswandler ausreichen, doch im Einzelhandel gibt es ATX12V-Netzteile dieser Leistungsklasse nicht – schon gar nicht moderne Geräte, die ab 20 Prozent ihrer Nennlast mindestens 80 Prozent Wirkungsgrad erreichen, also ein 80-Plus-Logo tragen (Liste aller Geräte unter www.80plus.org). Solche Netzteile gibt es im Einzelhandel erst mit mindestens 300 bis 350 Watt Nennleistung. Damit ist man dann aber in puncto Aufrüstbarkeit gut bedient – außer, wenn man später einen 120- oder 140-Watt-Prozessor (wie manche Quad-Cores und ältere Doppelkerne) und eine 150-Watt-Grafikkarte nachrüsten will. Dann ist ein Netzteil nötig, welches einen 6-poligen Zusatzstecker für PCI-Express-Grafikkarten mit mehr als 75 Watt Leistungsbedarf mitbringt. Solche Netzteile gibt es wiederum erst mit Nennleistungen ab etwa 400 Watt, sie arbeiten im niedrigen Lastbereich oft weniger effizient als schwächer dimensionierte.
Ein PC mit Onboard-Grafik, 65-Watt-Doppelkern und 350-Watt-Netzteil kann im Leerlauf mit weniger als 50 Watt Leistung auskommen; um die Leistungsaufnahme unter 40 Watt zu drücken, sind ein besonders effizientes Netzteil oder eine 2,5-Zoll-Platte nötig – manches 3,5-Zoll-Laufwerk braucht mit 8 bis 10 Watt netzseitiger Leistungsaufnahme ebenso viel wie ein komplettes Netbook (Dell Inspiron Mini 9, Leerlauf bei minimaler Display-Helligkeit). Mit separater Grafikkarte steigt die PC-Leistungsaufnahme schon im Leerlauf oft um 10 bis 50 Watt. (ciw) (ciw)