AtommĂĽll-Endlager: Gorleben bleibt in Betracht
Die Kommission "Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe" hat ihren Abschlussbericht fertig. Er schließt Gorleben als Standort nicht aus – zum Unmut von Kritikern.
(Bild: BGR Hannover)
Die Vorsitzende der für die Lagerung von Atommüll zuständigen Bundestagskommission hat die Entscheidung verteidigt, Gorleben als möglichen Standort nicht auszuschließen. Ursula Heinen-Esser (CDU) sagte heute im rbb-Inforadio, der Auftrag der Kommission sei gewesen, Deutschland bei der Standort-Suche als "weiße Landkarte" zu betrachten. Wäre der niedersächsische Salzstock Gorleben aus dem Verfahren herausgenommen worden, wäre die Kommission diesem Auftrag nicht gerecht geworden, betonte Heinen-Esser.
Am Nachmittag will die Endlager-Kommission ihren Abschlussbericht an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) übergeben. Der Bericht soll bei der Suche nach einer Atommüll-Endstation helfen. Erste Ergebnisse waren bereits im März bekannt gegeben worden, darauf folgte eine öffentliche Konsultation.
Wider Gorleben
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Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) geht unterdessen weiterhin davon aus, dass ein Endlager künftig nicht in Gorleben eingerichtet werden kann. Die Gegebenheiten in dem Salzstock entsprächen nicht den Sicherheitsanforderungen an ein Endlager, sagte Wenzel am Dienstag im Deutschlandfunk. Wegen seiner geologischen Formationen werde Niedersachsen aber mit "hoher Wahrscheinlichkeit" für einen Standort in Betracht kommen.
Atomkraftgegner hatten für den heutigen Dienstag in Berlin Proteste gegen die Empfehlungen der Endlager-Kommission angekündigt. Grund für die Proteste sei unter anderem die "Sonderrolle" des Salzstocks Gorleben bei der künftigen Suche nach einer Endlagerstätte für hochradioaktiven Atommüll, sagte Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg.
Lob aus der Atomwirtschaft
Das deutsche Atomforum lobt hingegen den Bericht der Kommission. Sie habe "mit der Empfehlung des Entsorgungspfades geologische Tiefenlagerung und den technisch-wissenschaftlichen Entscheidungskriterien fĂĽr ein wissenschaftsbasiertes Auswahlverfahren eine umfangreiche Grundlage fĂĽr die nun folgende Gesetzgebung geschaffen", heiĂźt es in einer Mitteilung.
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Die 33 Mitglieder der Kommission haben zwei Jahre an Lösungen gearbeitet. In der Kommission saßen Vertreter aus Politik, Wirtschaft, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft. Gesucht wird ein Bergwerk, das mindestens 300 Meter unter der Erde liegt. Der Atommüll soll dort in einer Gesteinsschicht eingelagert und abgeschirmt werden. In Frage kommen drei Wirtsgesteine: Salz, Ton und Granit. In verschiedenen Phasen werden die Suchkriterien angewendet, bis schließlich nur noch eine Handvoll Orte übrig bleiben, in denen ein Erforschungs-Bergwerk entstehen soll. Die Suche soll nächstes Jahr beginnen und bis 2031 dauern. (mit Material der dpa) / (anw)