RAM-Betriebsspannung

Für mein neues Mainboard suche ich passenden Speicher. Das Handbuch des Board-Herstellers nennt für die DDR2-DIMMs eine Betriebsspannung von 1,8 Volt. Die im Fachhandel für Speichermodule angegebenen Betriebsspannungen reichen von 1,8 bis 2,5 Volt. Die Module, die ich eigentlich gerne hätte, sind mit 2,2 Volt spezifiziert. Kann ich die unbesorgt kaufen?

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 3 Min.

Für mein neues Mainboard suche ich passenden Speicher. Das Handbuch des Board-Herstellers nennt für die DDR2-DIMMs eine Betriebsspannung von 1,8 Volt. Die im Fachhandel für Speichermodule angegebenen Betriebsspannungen reichen von 1,8 bis 2,5 Volt. Die Module, die ich eigentlich gerne hätte, sind mit 2,2 Volt spezifiziert. Kann ich die unbesorgt kaufen?

Die Module werden wahrscheinlich funktionieren, aber wohl nicht die von Ihnen erwünschten kurzen Zugriffszeiten oder hohen Taktfrequenzen erreichen, wenn das Mainboard sie mit weniger als 2,2 Volt versorgt.

Das Industriegremium JEDEC legt die Toleranz für PC-Hauptspeicher genau fest, bei DDR2-SDRAM beträgt sie 1,8 Volt plus/minus 0,1 Volt, also 1,7 bis 1,9 Volt. Module, die mehr oder weniger Spannung benötigen, entsprechen nicht der JEDEC-Spezifikation und laufen deshalb nicht in beliebigen Mainboards (mit DDR2-DIMM-Slots) – meistens handelt es sich dabei um DIMMs für Übertakter. Solche Module tragen typischerweise gewöhnliche SDRAM-Speicherchips aus der Großserienfertigung, die aber selektiert wurden, sodass sie angeblich höhere Taktfrequenzen und kürzere Zugriffszeiten erreichen, als der jeweils gültige JEDEC-Standard vorsieht. Das funktioniert aber oft erst dann, wenn sie auch mit höherer Betriebsspannung laufen als standardmäßig vorgesehen.

Wenn man solche Module mit Standardspannung betreibt, laufen sie üblicherweise mit Standard-Zeitparametern stabil. Welche das aber jeweils genau sind, geben nicht alle Hersteller solcher Module an. SDRAM-DIMMs tragen allerdings einen nichtflüchtigen (Flash-)Speicherchip namens SPD-EEPROM, der digital auslesbare Zeitparametercodes enthält; das Mainboard-BIOS nutzt diese Daten für die automatische Konfiguration des RAM beim Systemstart. Auch bei Übertaktermodulen programmieren die Hersteller ins SPD-EEPROM meistens Standard-Timings, die das Modul bei Standardbetriebsspannung schafft – sonst nämlich würde das Modul auf Mainboards, die keine Übertaktungsfunktionen bieten, vielleicht überhaupt nicht funktionieren.

Die schnelleren Zeitparameter und höheren Taktfrequenzen von Übertaktermodulen lassen sich meistens erst nach manueller Konfiguration, etwa per BIOS-Setup, nutzen. Man muss dann dort außer den gewünschten Takt- und Zeitparametern gegebenenfalls auch eine höhere Betriebsspannung für das RAM (und manchmal auch für den Speicher-Controller) einstellen. Auf Mainboards, die solche Einstellmöglichkeiten nicht bieten, arbeiten auch teure Übertaktermodule nur mit Standard-Zeitparametern.

Wenn man ein Speichermodul mit höheren Betriebsspannungen und Frequenzen oder kürzeren Zugriffszeiten betreibt, als es der JEDEC-Standard für den jeweiligen Chip-Typ vorsieht, dann gelten auch viele andere Parameter nicht mehr, die die JEDEC-Standards ebenfalls beschreiben, etwa maximale Betriebstemperaturen, Impedanz- und Kapazitätswerte oder zeitliche Bezüge zwischen unterschiedlichen Signalen. Man kann deshalb nicht sicher davon ausgehen, dass das Übertakten auf beliebigen Mainboards stabil funktioniert, selbst wenn diese die nötigen Einstellmöglichkeiten bieten. Der Betrieb mit Nicht-JEDEC-Zeitparametern funktioniert eher, wenn man dazu DIMMs kauft, die entweder der Speichermodulhersteller für das vorhandene Mainboard empfiehlt oder die der Mainboard-Hersteller in einer Kompatibilitätsliste aufführt. (ciw) (ciw)