Wie viel Leistung schluckt meine CPU?
Ich möchte einen besonders sparsamen Prozessor für meinen PC auswählen. Was taugen diesbezüglich TDP-Angaben?
Ich möchte einen besonders sparsamen Prozessor für meinen PC auswählen. Was taugen diesbezüglich TDP-Angaben?
Leider wenig. Für die Thermal Design Power (TDP), die CPU-Hersteller wie AMD, Intel oder VIA in Datenblättern nennen, gibt es kein standardisiertes Messverfahren.
Die Angabe der Thermal Design Power verrät PC-Herstellern, wie viel CPU-Abwärme der Prozessorkühler und die Computer-Belüftung maximal wegschaffen müssen. Im Leerlauf ziehen Prozessoren viel weniger Strom als unter Volllast, die meisten modernen x86- und x64-CPUs drosseln dann ihre Taktfrequenz und senken anschließend ihre Kernspannung; nach einigen Sekundenbruchteilen Nichtstun schalten sie in noch sparsamere Betriebsmodi um und verheizen nur noch wenige Watt. Wie viel Leistung ein Prozessor also in der Praxis benötigt, hängt vor allem von der Nutzungsweise ab – für den Energiebedarf des gesamten Rechners sind außerdem noch andere Komponenten wichtig, etwa Grafikkarte, Festplatte(n), Mainboard-Chipsatz und der Netzteil-Wirkungsgrad.
Die TDP-Daten von Prozessoren sind kaum untereinander vergleichbar, nicht einmal bei unterschiedlichen CPUs desselben Herstellers. Stuft ein Hersteller mehrere CPUs in dieselbe TDP-Klasse ein, sind ĂĽblicherweise solche mit niedriger Taktfrequenz sparsamer. Weil heutige Prozessoren mit einer individuell programmierten Nominalspannung arbeiten, kann sich aber auch die Leistungsaufnahme von CPUs mit identischer Typenbezeichnung leicht unterscheiden.
Dieselbe Software lastet Prozessoren unterschiedlich aus: Echter „Vollast-Code“ muss exakt an die CPU-Architektur und jede neue CPU-Generation angepasst werden. Das Tool Core2MaxPerf (siehe Link) etwa ist speziell auf Core-2-Prozessoren von Intel zugeschnitten, doch bei manchen jüngeren Versionen dieser CPUs verursacht Intels hoch optimierter Linpack-Code eine noch höhere Leistungsaufnahme.
Sehr starken Einfluss hat die Kernspannung, die heute typischerweise zwischen 0,9 und 1,4 Volt liegt. Nicht alle Mainboards regeln sie exakt nach den Vorgaben der CPU-Hersteller. Liegt sie um ein Zehntelvolt zu hoch, steigt die Leistungsaufnahme im Extremfall bereits um 10 Watt, denn einige aktuelle High-End-Prozessoren ziehen unter Volllast ĂĽber 100 Ampere Strom.
Manche Prozessoren erreichen ihre jeweilige TDP unter Volllast nie, andere überschreiten sie sogar (kurzzeitig). In die letzte Kategorie gehören die meisten Prozessoren aus Intels alter NetBurst-Generation, also Pentium 4 und Pentium D, aber auch einige der hoch getakteten 90- und 65-nm-Prozessoren von AMD (Athlon 64 X2 6400+, Phenom X4 9950). Auch der Core i7 reizt per Selbstübertaktung (Turbo Boost) seine TDP aus. Die meisten der Core-2-Prozessoren von Intel, insbesondere die jüngeren 45-Nanometer-Versionen, bleiben hingegen deutlich darunter. Besonders sparsame oder effiziente Prozessoren findet man etwa anhand von Praxistests, wie wir sie zuletzt in c't 7/09 (S. 142) veröffentlicht haben.
www.ctmagazin.de/0910156 (ciw)