Internationale Flüchtlingsdatenbank kommt nach Berlin
Die internationale Gemeinschaft sucht nach einer gemeinsamen Strategie für die Flüchtlingskrise. Vor dem Gipfel in New York trifft sich schon mal eine Runde in Berlin.
Angesichts von mehr als 65 Millionen Flüchtlingen weltweit will die internationale Gemeinschaft ihre gemeinsamen Anstrengungen verstärken. Auf einem Treffen in Berlin einigten sich mehrere große Hilfsorganisationen am Dienstag unter anderem darauf, in Krisenländern Informationskampagnen zur Aufklärung von potenziellen Flüchtlingen zu starten. Zudem soll in Berlin eine neue Datenbank über die globalen Flüchtlingsströme eingerichtet werden, geht aus einer Mitteilung des Auswärtigen Amts hervor.
Mehr Informationen, mehr Aufklärung
Die neue Datenbank soll im Deutschland-Büro der Internationale Organisation für Migration (IOM) eingerichtet werden. Ziel ist es, die bestehenden Statistiken der verschiedenen Organisationen zusammenzuführen, um Flüchtlingsbewegungen dann besser vermeiden oder zumindest steuern zu können. Verlässliche und vereinbarte Basisdaten sollen Politiker in ihrem Entscheidungsprozess leiten können. In der ersten Phase wird sich das Portal daher auf europabezogene Daten konzentrieren. In der zweiten Phase soll der Rest der Welt dargestellt werden.
Dem gleichen Zweck sollen auch Informationskampagnen dienen, wobei vor allem soziale Netzwerke genutzt werden sollen. Im Abschlusspapier des Treffens heißt es: "Wir müssen auf die Menschen zugehen, sie über potenzielle Risiken und legale Einwanderungsmöglichkeiten aufklären." Deutschland verfolgt solche Kampagnen unter anderem schon in Afghanistan und im Nahen Osten.
Das Treffen fand auf Einladung der Bundesregierung statt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte als Gastgeber: "Wir müssen uns innerhalb der Weltgemeinschaft verständigen, wie Migration gesteuert werden kann. Einzelstaatliche oder europäische Antworten allein reichen nicht aus." Beteiligt waren unter anderem das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), Rotes Kreuz und Roter Halbmond sowie die IOM.
Millionen auf der Flucht
Das Treffen diente auch der Vorbereitung des großen Flüchtlingsgipfels mit Staats- und Regierungschefs, der Mitte September am UN-Sitz in New York stattfinden soll. UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi warnte davor, die zurückgehenden Flüchtlingszahlen in Europa als Entwarnung zu verstehen. Allein im Irak, im Südsudan und in Burundi seien in diesen Tagen wieder Hunderttausende neu auf der Flucht. "Unglücklicherweise verbessert sich der Trend nicht."
Alle Organisationen warben für einen "globalen Ansatz", um mit den Flüchtlingsbewegungen besser zurechtzukommen. Deutschland bekam für seine Flüchtlingspolitik viel Lob. Zugleich appellierte Grandi an andere Länder, mehr zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zu tun. EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulos sagte: "Wir haben Fortschrite gemacht. Aber wir haben unsere Ziele noch nicht zu 100 Prozent erreicht."
Derzeit sind weltweit mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht – so viele wie nie zuvor. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind etwa die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. (mit Material der dpa) / (anw)