FAQ: Camcorder
Antworten für häufig gestellte Fragen zu Camcordern und HD
- Joachim Sauer
Antworten für häufig gestellte Fragen zu Camcordern und HD
Aufnahmeformate
Ich möchte mir einen modernen High-Definition-Camcorder kaufen, bin aber unschlüssig, welchen Aufnahme-Standard ich wählen soll. Welcher ist der Richtige?
Tatsächlich stehen derzeit unterschiedliche Aufzeichnungsformate zur Wahl: DV, HDV und AVCHD; hinzu kommen spezielle Varianten der MPEG-2-Komprimierung. Man muss sich für einen sinnvollen Kompromiss aus Videoformat und Komprimierung, Datenträger, Optik und Ausstattung entscheiden.
Die meisten angebotenen Camcorder sind AVCHD-Modelle, deren Kompression sehr effizient arbeitet. Allerdings erfordert die Nachbearbeitung von AVCHD-Videos einen sehr leistungsstarken PC. Die aktuellen Versionen der meisten Schnittprogramme bearbeiten inzwischen AVCHD-Aufnahmen ohne vorherige Umwandlung in einen anderen Kompressions-Standard.
Deutlich weniger Ressourcen als AVCHD verlangt die Bearbeitung von HDV-Aufnahmen, da sie per MPEG-2 komprimiert werden. Wie lange dieses auf Magnetband speichernde Format noch existiert, steht dahin; dieses Jahr ist mit dem Canon HV 30 gerade mal ein neuer HDV-Camcorder auf den Markt gekommen. Zudem speichert HDV nicht Full-HD (1920 x 1080), sondern „nur“ 1440 x 1080 anamorphe Pixel. Von dieser verminderten Auflösung bemerkt man in der Praxis meist wenig. Da das optische System eine größere Rolle als die Pixelanzahl spielt, kann ein mit einem hochwertigen Objektiv ausgestatteter HDV-Camcorder einem schlechter bestückten Full-HD-Modell deutlich überlegen sein.
Manche Camcorder – mehrerer Modelle von JVC sowie mancher Profi-Camcorder – speichern ihre Aufnahmen in MPEG-2-Komprimierung auf Speicherchips oder Festplatte. Die meisten MPEG-2-Camcorder arbeiten allerdings in Standard-Definition (SD) mit einer Auflösung von 720 x 576 Pixel. Wer sich damit zufriedengeben kann, greift alternativ zu einem der DV-Camcorder, die inzwischen das beste Preis/Leistungsverhältnis bieten.
Bildstabilisator
Bislang filme ich mit einem SD-Camcorder, meist aus freier Hand. Jetzt habe ich gehört, dass man bei HD-Videos kaum ohne einen Bildstabilisator auskommt, der am besten optisch arbeitet. Was ist da dran?
Wer in HD-Auflösung aus freier Hand filmt, sollte den Stabilisator einschalten, denn selbst kleine Bewegungen des Camcorders wirken auf einem großen HD-Fernseher bereits wie Erdbeben. Dennoch sollte man sich nicht allein auf diese technische Hilfe verlassen, sondern schon durch die Körperhaltung für möglichst viel Ruhe im Bild sorgen; am besten man lehnt sich mit dem Rücken irgendwo an und stützt beide Arme am Körper ab. Das erschwert das Zoomen und Schwenken zwar – aber das tut den meisten Filmen eher gut.
Anders als die optische Ausführung verursachen elektronische Bildstabilisatoren gern am Anfang von Zooms und Schwenks einen Ruckler durch ihren zeitverzögerten Einsatz. Daher schaltet man den Stabilisator besser ab, wenn man mit Stativ arbeitet und seine Hilfe nicht braucht.
WeiĂźabgleich
Viele Camcorder bieten einen manuellen WeiĂźabgleich. Aber erledigt die Automatik diese Aufgabe nicht viel besser?
Im Automatik-Modus erkennen die meisten Camcorder automatisch und weitgehend zuverlässig, welche Beleuchtung vor dem Objektiv gerade vorherrscht (Sonnenschein, Kunstlicht aus Glühbirnen oder Leuchtstofflampen), um dann festzulegen, welche Farbmischung aus Rot, Grün und Blau eine korrekte Weißwiedergabe bewirkt. Diese Automatik rettet auch fließende Übergänge, die sonst kaum mit einer fest auf einen Weißwert eingestellten Kamera zu meistern wären, etwa wenn die Hochzeitsgesellschaft aus der künstlich beleuchteten Kirche ins Tageslicht schreitet und der Camcorder „mitläuft“.
Schwächen zeigt die Automatik allerdings bei schwierigen, nicht alltäglichen Lichtverhältnissen, beispielsweise im schattigen Schnee oder bei Sonnenuntergängen. Dann spielt der manuelle Weißabgleich seine Stärke aus, vor allem bei Mischlicht-Situationen, wenn in einem mit Glühbirnen beleuchteten Raum Tageslicht durch die Fenster hereinflutet. Dabei visiert man mit dem Camcorder eine neutral graue oder weiße Fläche an und aktiviert den manuellen Weißabgleich. Alternativ gelingt das auch mit einem einfachen Papiertaschentuch. Weiße Kleidung dagegen reflektiert das Licht durch die Aufheller im Waschmittel meist bläulich, daher klappt der Weißabgleich damit nicht.
Einen falschen Weißpunkt nachträglich zu korrigieren ist zwar mit nahezu jeder Schnittanwendung möglich – macht aber Mühe.
Bildsprache
Trotz jahrelanger Erfahrung als Amateur-Filmer wirken meine Aufnahmen mit dem neuen HD-Camcorder sehr unruhig. Dabei hat sich an meiner Art zu filmen nichts geändert. Woran könnte das liegen?
Die HD-Auflösung erfordert eine andere Bildsprache, denn Zoomfahrten und Schwenks wirken hier viel intensiver und unruhiger. Wie schon bei SD verzichtet man daher am besten ganz auf Zoomfahrten und Schwenks oder verlagert sie an den Anfang oder ans Ende einer längeren, ansonsten mit unbewegter Kamera aufgenommenen Szene. Dann kann man beim Schnitt auf den ruhigen Clip zurückgreifen, ohne den bewegten Teil verwenden zu müssen. Wer auf einen Schwenk nicht verzichten will, sollte wenigstens auf eine gleichbleibende Bewegungsrichtung achten: Aufeinander folgende Schwenks in verschiedene Richtungen – wie auf dem Karussell hoch, runter, dann links, rechts – machen jeden Zuschauer schwindelig.
Spannender und dynamischer wirken dagegen Bewegungen in der Aufnahme, etwa wenn man den Camcorder bei laufender Aufnahme mit einem Skateboard über den Asphalt rasen lässt. Schon ein simples Aufstehen aus der Hocke und anschließendes Arme nach oben recken simuliert eine kleine Kranfahrt. Das braucht zwar etwas Übung für eine überzeugende Wirkung, aber es geht.
HD-Camcorder fĂĽrs SD-Format
Ich filme mit einem HD-Camcorder, möchte aber für meine Freunde ein Video auf einer normalen DVD mit Standard-Auflösung (SD) erstellen. Nehme ich dann direkt mit 720 x 576 Pixeln auf?
Nein – der bessere Weg führt über die nachträgliche Skalierung, am besten im Rechner über einen Konverter, der in mehreren Durchläufen die Umkodierung übernimmt. Alternativ kann man bei vielen Camcordern seine HD-Videos in einer herunterskalierten SD-Version ausspielen – das geht in Echtzeit. Dabei steht das HD-Material immer noch für eine spätere Bearbeitung zur Verfügung. (uh)