DVB-Karte initialisiert nicht

Ich möchte mir einen neuen digitalen Videorecorder mit VDR aufbauen und für die Videoausgabe eine Full-Featured-DVB-Karte mit integriertem MPEG-2-Decoder verwenden. Die einzige noch fabrikneu erhältliche Karte ist die Technotrend Premium S-2300. Wenn ich diese Karte verwende, lädt der DVB-Treiber laut Syslog zwar den Bootcode des MPEG-Decoders, die Karte funktioniert anschließend allerdings nicht. Baue ich hingegen eine ältere, fast baugleiche Hauppauge Nexus Revision 2.3 ein, funktioniert der Videorecorder tadellos. Ist die neue Karte vielleicht defekt?

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Ich möchte mir einen neuen digitalen Videorecorder mit VDR aufbauen und für die Videoausgabe eine Full-Featured-DVB-Karte mit integriertem MPEG-2-Decoder verwenden. Die einzige noch fabrikneu erhältliche Karte ist die Technotrend Premium S-2300. Wenn ich diese Karte verwende, lädt der DVB-Treiber laut Syslog zwar den Bootcode des MPEG-Decoders, die Karte funktioniert anschließend allerdings nicht. Baue ich hingegen eine ältere, fast baugleiche Hauppauge Nexus Revision 2.3 ein, funktioniert der Videorecorder tadellos. Ist die neue Karte vielleicht defekt?

Das Problem könnte darin bestehen, dass der Schwingkreis für die Takterzeugung des DSP, der als MPEG-2-Decoder arbeitet, nicht korrekt anschwingt. Ursache dafür sind offenbar Bauteiletoleranzen und eine geänderte Bestückung, die nunmehr nur noch aus zwei Koppelkondensatoren, zwei Kapazitätsdioden und zwei Widerständen rechts neben dem SMD-Quarz besteht. Bei älteren DVB-Karten wurden zwei weitere Kondensatoren parallel zu den Kapazitätsdioden eingelötet, wodurch der Abstimmbereich des Schwingkreises größer war.

Ein Indiz für dieses Problem ist, dass die DVB-Karte einwandfrei arbeitet, wenn man vom Einschalten des Rechners bis zum Laden des DVB-Treibers einen Finger direkt auf die Bauteilegruppe rechts neben dem SMD-Quarz der DVB-Karte legt. Ein anderes ist folgende Fehlermeldung des DVB-Treibers, wenn die Karte nicht korrekt anläuft:

dvb-ttpci: av7110_bootarm():saa7146_wait_for_debi_done() timed out

Um den Abstimmbereich zu erhöhen, kann man die nicht bestückten Koppelkondensatoren, die parallel zu den Kapazitätsdioden (rot/schwarz) geschaltet werden, nachträglich auflöten. Dies ist eine sehr kniffelige Arbeit, da die Lötpads mitten in der Bauteilegruppe des Schwingkreises liegen und man leicht ungewollte Lötbrücken zu den serienmäßig bestückten Koppelkondensatoren (braun) oder den Widerständen (schwarz) zieht. Eine entsprechende Lötausrüstung und viel Erfahrung sind daher Pflicht.

Durch die nicht bestückten Kondensatoren (rote Umrandung, oben) verringert sich der Abstimmbereich des Schwingkreises für das Taktsignal des DSP. Je nach Bauteiletoleranzen gibt es so kein sauberes Taktsignal mehr. Das Auflöten der eingesparten Kondensatoren (unten) behebt das Problem.

Die rechnerisch notwendige Kapazität der zusätzlichen Kondensatoren beträgt 27 pF, allerdings gibt es diese nicht in den benötigten SMD-Größen 0603 oder 0804 im Handel. Wir löteten daher zwei Kondensatoren der Größe 0804 mit dem nächst größeren Normwert, 33 pF, auf eine solche Karte. Danach traten keine Probleme mehr auf. Die nächst kleineren Kondensatoren mit 22 pF genügten hingegen nicht für einen anstandslosen Betrieb. (mid)