Das Internet als Spielwiese fĂĽr Nachwuchsfilmer
Nachwuchstalente beim Film nutzen immer öfter das Web als Spielwiese, aber auch die Hollywood-Studios haben das Netz zur Nachwuchsförderung entdeckt.
Gleich mit dem ersten Film Millionen Zuschauer in aller Welt zu erreichen, davon träumt jeder Regisseur. Das Internet macht es möglich. Nachwuchstalente nutzen immer öfter das Web als Spielwiese, um vor einem – zumindest theoretisch möglichen – Millionenpublikum ihre Erstlingswerke zu präsentieren. Und gleichzeitig können sie sich online um Hollywood-Unterstützung für größere Spielfilmprojekte bewerben. Das renommierte Sundance Festival, das bis Sonntag, den 28. Januar in Park City (US-Bundesstaat Utah) stattfindet, bietet in diesem Jahr erstmals auch einen Online-Wettbewerb mit Kurzfilmen an.
"Sundance hat sich schon immer fĂĽr innovative Werke interessiert, und wir sind besonders froh ĂĽber das Material, das jetzt speziell fĂĽr das Web produziert wird", sagt Geoffrey Gilmore, der das Festival zusammen mit dem GrĂĽnder, dem Hollywoodstar Robert Redford, leitet. Unter www.sundanceonlinefilmfestival.org sind bis Ende Februar noch 18 Streifen zu sehen, bei der Wahl des besten Werks kann jeder Zuschauer mitmachen, notwendig ist nur eine kostenlose Registrierung.
Wie alle anderen Websites dieser Art leidet auch die Sundance-Site unter den üblichen Problemen der Filmübertragung im Netz. Mit einer Standard-Modemverbindung über eine Telefonleitung lassen sich gerade mal konstante Audiosignale auf den PC laden, als Videomaterial kommen überwiegend Standbilder. Natürlich hoffen die Sundance-Verantwortlichen ebenso wie kommerzielle Anbieter auf die weitere Verbreitung von Breitband-Verbindungen, die zumindest bei digital übertragenen Kurzfilmen schon eine Bildqualität auf TV-Niveau ermöglichen.
Zweistündige Spielfilme auf dem PC-Bildschirm können auch Computerbesitzer mit leistungsstarker Internet-Verbindung bisher nur via DVD genießen, aber in amerikanischen Büros gibt es immerhin schon einen Kurzfilm-Trend, den die New York Times als "Kaffeepausen-Theater" beschreibt: An Arbeitsplätzen mit Breitbandanschluss erholen sich gestresste Mitarbeiter, indem sie sich überwiegend kostenlose Unterhaltung bei Anbietern wie www.atomfilms.com oder www.ifilm.com besorgen. Diese konnten, anders als gescheiterte Konkurrenten wie Scour.com oder Pseudo.com, das große Aufräumen unter den Dot.Coms überleben.
Die Firmen verdienen ihr Geld mit Werbung und mit dem Weiterverkauf der Vorführrechte an Kunden wie Fluggesellschaften, die im Bordprogramm Kurzfilme zeigen. Über 100 Film-Sites bieten online rund 20.000 Streifen an, vom lustigen Zeichentrickfilmchen bis zur Pornografie. Angehende Regisseure können auf diesem Weg ihre ersten Arbeiten zeigen. Die Vorführrechte an den besten dieser Erstlingswerke werden beim Sundance-Festival inzwischen für fünfstellige Dollarbeträge gehandelt. Das ist eine vor wenigen Jahren noch unvorstellbare Entwicklung im Kurzfilmbereich, sagt Ian Calderon, der beim Festival fürs digitale Kino zuständig ist. "Ich finde es hochinteressant, dass wir nun via Web ganz neue Talente öffentlich präsentieren können", meint Calderon.
Für ambitionierte Filmemacher gibt es neuerdings noch einen weiteren Weg, online auf sich aufmerksam zu machen. Das Hollywood-Establishment versucht inzwischen, via Internet frische Talente zu ködern – mit Online-Wettbewerben. Angeboten werden sie etwa vom Studio Universal Pictures, das unter www.hypnotic.com ein "Million Dollar Film Festival" veranstaltete. Hunderte von Kurzfilmen wurden eingereicht, und 25 wurden dann auf der online präsentiert. Besucher der Site stimmten über die fünf besten Streifen ab, die jetzt auch beim Sundance-Festival laufen. Die fünf Nachwuchs-Regisseure konnten dann ein Spielfilmprojekt vorschlagen. Der Sieger mit dem viel versprechendsten Manuskript bekommt umgerechnet zwei Millionen Mark und darf mit diesem Vorschuss und beliebigen Eigenmitteln einen Film herstellen.
Den populärsten Online-Wettbewerb der Filmbranche gibt es zurzeit unter www.projectgreenlight.com. Er wurde von zwei bekannten Multitalenten Hollywoods ins Leben gerufen, den Schauspielern Ben Affleck und Matt Damon, die 1997 mit ihrem Drehbuch für "Good Will Hunting" zu Oscar-Gewinnern wurden. Zusammen mit den Partnerfirmen Miramax Films und dem Kabelkanal HBO werden dem Autor des besten Drehbuchs eine Million US-Dollar an Produktionskosten geboten. Aus 8000 Bewerbungen wurden inzwischen die besten 30 ermittelt, Anfang März soll der Sieger feststehen. (Tilman Streif, dpa) / (jk)