DNA-Impfstoff gegen Zika-Virus
Auch in den USA gibt es inzwischen Fälle von lokalen Zika-Infektionen. Zur Vorsorge testet die Regierung an Freiwilligen einen neuartigen Impfstoff auf der Basis von Teilen des Erbmaterials des Virus.
- Antonio Regalado
Seit Anfang August testet die US-Regierung einen experimentellen Impfstoff gegen den Zika-Virus an BĂĽrgern, die sich freiwillig dafĂĽr zur VerfĂĽgung gestellt haben. Die Studie an den National Institutes of Health in Maryland ist Teil der offiziellen BemĂĽhungen, einen Ausbruch des Zika-Virus in Miami in den Griff zu bekommen, wo er bereits mindestens 14 Menschen infiziert hat.
Ein Impfstoff könnte die Epidemie an den US-Grenzen stoppen. Es wird jedoch noch Monate dauern, bis klar ist, ob der staatliche Impfstoff sicher ist; seine Wirkung zu belegen, könnte sogar mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Getestet wird in der Studie eine neue Art der Impfung mit einem sogenannten DNA-Impfstoff. Dabei handelt es sich um einen kleinen Abschnitt von genetischem Material aus dem Virus, der Patienten ähnlich wie mit einer Wasserpistole unter hohem Druck in den Arm geschossen wird. Die zugeführten Gene sorgen dann dafür, dass der Körper bestimmte harmlose Teile des Zika-Virus produziert, unter anderem seine Proteinhülle. Dadurch soll das Immunsystem der Geimpften so trainiert werden, dass es den Virus erkennt und ihn abwehrt. Bislang ist noch kein einziger derartiger Impfstoff auf dem Markt.
Ein Sprecher für Anthony Fauci, den Leiter des National Institute for Allergy and Infectious Diseases, wollte vor der geplanten offiziellen Vorstellung keinen Kommentar zu der Studie abgeben. Eine andere mit dem Geschehen vertraute Person bestätigte jedoch, dass sie Anfang August begonnen hat.
Laut einer Auflistung soll der Impfstoff an drei Standorten in Maryland, Baltimore und Atlanta an 120 Freiwilligen im Alter von 18 bis 35 Jahren getestet werden. Die Teilnehmer erhalten 2000 Dollar fĂĽr ihren Aufwand, mĂĽssen sich aber vielen Bluttests und Arztbesuchen unterziehen.
Auch zwei private Unternehmen, Inovio Pharmaceuticals und GeneOne Life Science, gaben Ende Juli bekannt, in Miami Tests mit einem anderen DNA-Impfstoff gegen Zika an Freiwilligen begonnen zu haben. „DNA-Impfstoffe sind ein relativ neues Konzept, aber es sieht so aus, als wären sie wirksam“, sagt Joel Maslow, medizinischer Leiter von GeneOne.
Auf dem US-Festland wurden insgesamt bereits mehr als 1000 Zika-Fälle registriert, bei denen es sich aber zunächst ausschließlich um Ausländer oder ihre Partner handelte. Am letzten Juli-Wochenende aber bestätigten die Behörden vier lokale Infektionen in Miami; dies bedeutet, dass der Virus bei Mücken in der Stadt Fuß gefasst hat.
Auslöser dafür waren wahrscheinlich Touristen nach ihrer Rückkehr aus Lateinamerika, wo der Virus seit vergangenen Jahr wütet. Wenn sie eine infizierte Person stechen, können Mücken die Krankheit an andere Menschen weitergeben.
Um die Verbreitung einzudämmen, lässt Florida verstärkt Insektizide versprühen. Außerdem haben die U.S. Centers for Disease Control and Prevention eine Reisewarnung herausgegeben, die als historisch beispiellos angesehen wird: Schwangeren Frauen und ihren Partnern wird empfohlen, eine Zone von der Größe einer Quadratmeile in der Innenstadt von Miami, wo sich der Virus offenbar ausbreitet, zu meiden.
Den Virus komplett in den Griff zu bekommen, könnte schwierig werden. Die nächste Epidemie könnte es in anderen Gebieten im Süden der USA geben, sagte Pauci dem Sender Texas Public Radio: „Ich wäre nicht überrascht, wenn wir eine isolierte lokale Übertragung im südlichen Teil von Texas sehen würden, vor allem entlang der Golfküste. Ich hoffe, die Leute nehmen das ernst genug, vor allem schwangere Frauen.“
Üblicherweise verursacht der Zika-Virus nur eine leichte Infektion – in 80 Prozent der Fälle sind überhaupt keine Symptome zu beobachten. Beängstigend an ihm ist die Verbindung mit schweren Geburtsfehlern, unter anderem Kinder mit verkleinerten Gehirnen. Dazu kann es kommen, wenn eine schwangere Frau durch eine Mücke oder beim Sex mit dem Virus infiziert wird, denn auch über Geschlechtsverkehr kann er sich unter Menschen verbreiten.
Noch unklar ist, ob sich der neue DNA-Impfstoff für eine Massenproduktion eignet, was erforderlich wäre, wenn er hunderte Millionen Menschen im Süden der USA und Lateinamerika schützen soll. Die meisten bekannten Impfstoffe, unter anderem gegen Grippe, bestehen aus echten Viren, die vor der Verabreichung deaktiviert oder modifiziert werden.
(sma)