Ein Zwitter aus Mensch und Tier

Die Diskussionen über genveränderte Pflanzen sind nichts, wenn man das polarisierende Potenzial der in den USA erforschten Mensch-Tier-Mischwesen betrachtet. Die Gesundheitsbehörde will den Wissenschaftlern nicht länger im Weg stehen.

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Von
  • Inge WĂĽnnenberg

Wer glaubt, genveränderte Pflanzen haben das Zeug dazu, die Menschheit zu polarisieren, sollte sich mit den jüngsten Forschungsansätzen der amerikanischen Stammzellenforscher beschäftigen. Ihr Bestreben ist es, menschliches Gewebe in Tierembryos – zum Beispiel Schweinen oder Schafen – heranzuzüchten. Zum einen wollen die Wissenschaftler Grundlagenforschung betreiben und mehr über pluripotente Stammzellen und ihre spätere Ausdifferenzierung erfahren. Andererseits ist es eine Überlegung, wie etwa die New York Times berichtet, künftig aus dessen eigenen Stammzellen eventuell eine Ersatzniere oder ein neues Herz für einen Patienten im Tier heranzüchten zu können.

Erst im vorigen September hatten die National Institutes of Health (NIH) als oberste US-Gesundheitsbehörde beschlossen, Studien dieser Art nicht mehr zu unterstützen (siehe TR 5/16, S. 10). Nun aber, so verkündete es Carrie Wolinetz für das Gremium am vorigen Donnerstag, überdenkt die Behörde ihr Moratorium. Um künftigen Missbrauch in jenen von den NIH mitfinanzierten Studien zu verhindern, soll allerdings ein Lenkungsausschuss die Behörde hinsichtlich der Mensch-Tier-Chimären im Embryonalstadium beraten.

Wert legen die NIH nichtsdetotrotz auf gewisse No-Gos. Ausgeschlossen von der behördlichen Unterstützung ist die Implantierung menschlicher Zellen in Primatenembryos in den sehr frühen vorgeburtlichen Stadien. Zwitterwesen aus Menschen und Affen sind nicht erwünscht. Ein Verdikt gilt ferner für die tierischen Wesen, was menschliche Keimzellen betrifft – Tiere mit menschlichen Ei- oder Samenzellen kommen nicht infrage, da sie so quasi einen menschlichen Fötus zeugen könnten.

Klar ist aber auch, dass bereits jede Menge Forschung in solch ethischen Grenzgebieten unternommen wird – allerdings eben ohne eine Förderung und quasi den Segen der obersten Gesundheitsbehörde. Nur ins Rampenlicht wollen diese Wissenschaftler mit ihrer Forschung natürlich keinesfalls: Wer weiß, wie die Öffentlichkeit reagieren würde? Denn so plausibel es auch sein mag, Menschen in Not ein Ersatzorgan zu beschaffen, beschleicht einen doch bei dem Auflösen der Grenzen zwischen Mensch und Tier ein äußerst ungutes Gefühl. Dagegen wirkt ein wenig Gengemüse auf dem Mittagstisch absolut harmlos. (inwu)