Jenoptik von Problemen auf Auslandsmärkten wenig beeindruckt
Jenoptik-Vorstandschef Mertin ist zufrieden: Teilziele für 2016 bei Umsatz und Ertrag sind erreicht. Mikrooptik für die Datenübertragung oder die umstrittene Militärtechnik kurbeln das Geschäft des Unternehmens an.
Auch in Flugzeugen steckt Technik von Jenoptik.
(Bild: Jenoptik)
Jenoptik hat im ersten Halbjahr so viel umgesetzt wie seit Jahren nicht mehr. Die Erlöse stiegen in der ersten Jahreshälfte um 3,4 Prozent auf 326,8 Millionen Euro, wie der Vorstand des Jenaer Unternehmens am Mittwoch mitteilte.
Auch beim Gewinn vermeldete er ein deutliches Plus: Das Ergebnis nach Steuern erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,9 Prozent auf 22,1 Millionen Euro. Vorstandschef Michael Mertin bestätigte die Prognose für 2016: "Trotz negativer Rahmenbedingungen wachsen wir – wie versprochen".
Abgasskandal beeinflusst das Geschäft
Der Jenoptik-Konzern peilt im 25. Jahr seines Bestehens einen Jahresumsatz von 680 Millionen bis 700 Millionen Euro an. Das Ziel liegt in der Nähe des Vorjahreswerts von 669 Millionen Euro. Auch beim Gewinn soll es ein "moderates Wachstum" geben. Jenoptik ist eines der wenigen börsennotierten Unternehmen in Ostdeutschland. Beschäftigt werden rund 3500 Mitarbeiter.
Unter negativen Bedingungen verbucht Mertin den VW-Abgasskandal, der nach seiner Einschätzung für eine Investitionszurückhaltung in der Automobilindustrie sorgt. "Es wird aber keinen langfristigen Einbruch geben", meinte Mertin mit Verweis auf den Innovationsbedarf der Branche. Jenoptik liefert für die Autoindustrie Laser, aber auch Messtechnik.
Der Austritt Großbritanniens aus der EU und die Probleme in der Türkei machen Mertin weniger Sorgen. "Das hat für unser Geschäft keine riesengroßen Auswirkungen", sagte er. Das Jenaer Unternehmen erwirtschaftet etwa zwei Drittel seines Umsatzes auf Auslandsmärkten.
Umsatzbringer Militär
Umsatztreiber im ersten Halbjahr waren das für Jenoptik neue Geschäft mit Mikrooptiken für die Datenübertragung sowie Militärtechnik, die für Aktionärskritik auf der diesjährigen Hauptversammlung gesorgt hat. Der Geschäftsbereich Verteidigung und zivile Systeme steuerte zum Halbjahresumsatz mit rund 112 Millionen Euro etwa ein Drittel bei.
Jenoptik berichtete von neuen Aufträgen für das Flugabwehrraketensystem Patriot. Es gehe dabei um Komponenten wie Stromversorgung sowie Aluminiumkonstruktionen. Der Auftragswert belaufe sich auf insgesamt 11 Millionen Euro. Produziert würden die Teile am Standort Altenstadt in Bayern. Patriot ist ein bodengestütztes System, mit dem Flugzeuge, Mittelstreckenraketen oder Marschflugkörper abgewehrt werden sollen. Jenoptik sei seit Jahren Lieferant dafür.
Finanzvorstand Hans-Dieter Schumacher sieht den Optik-Konzern solide finanziert. Die Eigenkapitalquote liege bei rund 57 Prozent, die Nettoverschuldung sei auf 39 Millionen Euro gesenkt. "Wir haben eine starke Eigenfinanzierungsmacht", sagte Schumacher. Bis 2018 will der Jenoptik-Vorstand auch mit kleineren Zukäufen ein Umsatzvolumen von 800 Millionen Euro pro Jahr erreichen. (anw)