Was wirklich wahr war. Die Rätsel einer Sommernacht

Nach allerlei Rätselhaftem für den lauen Sonntagabend lässt Hal Faber nun die Lösung auf dem Fuße folgen.

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Was wirklich wahr war. Die Rätsel einer Sommernacht
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Von
  • Hal Faber

Es ist natürlich kein Zufall, dass beim Weltraum-Sommerrätsel die Falcon 9 von SpaceX landete. Die Weltraumfahrt gewinnt wieder an Schwung und prompt wurden sieben von zehn Rätseln gelöst, bei einem weiteren wurde eine Alternativantwort gefunden.

Frage 1 zeigte die FĂĽhrerkabine einer Weltraumrakete, wie man sich diese 1928 vorstellte. Ăśber der Kabine der Fallschirm fĂĽr ebenfalls gezeigte "Landung vor Neuyork", in der Kabine die Mannschaft beim Aufstieg der Rakete, dazu der Text: "Der starke Andruck presst die Mannschaft nieder; er bildet die Hauptgefahr der ganzen Fahrt".

Frage 2 zeigt das von Hermann Oberth entwickelte Funktionsprinzip einer zweistufigen Rakete. Diese Zeichnung soll den jungen Wernher von Braun bewogen haben, Raketenpionier zu werden. "Oberth, Valier und die Mode waren verantwortlich dafĂĽr, dass Teenager wie Wernher von Braun den Raumflug als berufliche Laufbahn ansahen."

Das in Frage 3 gezeigte Bild stammt aus dem 1940 gedrehten Film Weltraumschiff 1 startet, den der Biberacher Regisseur Anton Kutter produzierte. Kutter, der es ablehnte, in die NSDAP einzutreten, erhielt von der Reichsfilmkammer ein "Spielfilmverbot" und verlegte sich auf Semi-Dokumentarfilme, damals "Kulturfilme" genannt. Im Film gab es Originalaufnahmen aus der Heeres-Versuchsanstalt Peenemünde, die auf Anordnung der Filmzensur entfernt werden mussten. Auch der pazifistische Schluss ("Der Weltraum gehört allen") musste durch Filmaufnahmen einer Hitler-Rede ersetzt werden.

Frage 4: In der Ausschnittsvergrößerung bereitete das Heeres-Versuchsgelände Peenemünde den Lesern keine Probleme. Leiter des ganzen Komplexes mit eigenem KZ für 600 Häftlinge war Walter Dornberger. Später übersah er auch die Produktion von Aggregat 4, der einzigen Waffe, deren Produktion mehr Menschenleben kostete als der Einsatz.

Frage 5 suchte schließlich nach Wernher von Braun, jenem unpolitischen Ingenieur, über den Tom Lehrer ein Lied schrieb, das den "apolitischen" Braun kritisierte. Kritik gab es auch von anderer Seite: In seiner Autobiographie nannte Albert Speer den Raketenpionier einen "rechnenden Romantiker". Diese Frage bliebt ungelöst.

Frage 6 zitierte einen Satz, den der begeisterte KI-Forscher Marvin Minsky über die Weltraumsprache Lincos von Hans Freudenthal schrieb. Minsky war damals einer der Berater von Stanley Kubrick beim Film "2001 – Odyssee im Weltraum" .

In Frage 7 wurde der Raketenpionier Fritz von Opel aka der Raketenfritz gesucht. Ăśber zahlreiche von ihm finanzierten Raketenexperimente vom Raketenschlitten bis zum Raketenauto versuchte Opel, den Opelwerken einen "neuen unermesslichen Markt" zu erschlieĂźen. Sein Ziel war die Mondlandung und die Nutzung der Mondkrater als Sonnenkraftwerke.

Nur "fĂĽnf Minuten" nicht wie Idioten benehmen - ein frommer Wunsch des Hackers Nick Farr.

Dass Hacker sich mit dem Weltraum beschäftigen, ist kaum verwunderlich. Frage 8 zielt auf das CCC-Camp in Finowfurt 2011, wo Nick Farr, Jens Ohlig und Lars Weiler in der Vortragshalle Kourou das Hacker-Raumfahrtprogramm vorstellten. Angesichts der Querelen um (sexuelle) Belästigungen und Intrigen bei Hacker-Projekten erwies sich Nick Farr geradezu prophetisch: "Wir können die gesamte Galaxie erobern, wenn wir für fünf Minuten aufhören, uns wie Idioten zu benehmen."

Frage 9 beschäftigte sich mit einem anstehenden Geburtstag und suchte einen Computer mit Weltraumbezug. Gesucht war der vom britischen Designer Bill Moggridge entworfene Compass von Grid, ein teurer Computer für den Weltraum und den Kriegseinsatz. Grid baute nur wenige Modelle, verdiente aber ausgezeichnet an den Patentrechten, als die Laptops aufkamen und alle für das Klappdesign zahlen mussten, auch Nokia mit seinem MikroMikko und seinem Communicator, der heute Geburtstag hat. Die Idee für so eine Symbiose hatte auch der deutsche Fritzbox-Designer Hans-Peter Constin und diese sogar patentiert, doch Drid hatte das ältere Patent. Und ja, die Antwort zu Frage 9 kann auch so ausfallen.

Frage 10 fragte nach dem, was unpolitische Ingenieure industrielles Fernsehen nennen. Morgen ist der #Waveday, der Welttag gegen die alltägliche Videoüberwachung. Wer die Webseite besucht, erfährt, dass die erste Videoüberwachung von Walter Bruch 1942 in Peenemünde installiert wurde, um den Start der Raketen aus nächster Nähe beobachten zu können. Wir sind es ja gewohnt, zivilisatorische Errungenschaften wie die Teflon-Pfanne und das feuchte Klopapier der Weltraumforschung zuzuschreiben. Winken wir also freundlich in die Kameras, die uns tagein, tagaus beäugen, während dummdreiste Politiker im Wahlkampf "Mehr Video-Technik" fordern. Als ob dies auch nur eines unserer Probleme auf der blauen Murmel lösen würde.

Der letzte Teil des Sommerrätsels beschäftigt sich, eine Woche vor der großen Party in lauer Wochenendsommernacht mit – Überraschung – heise online. Das Rätsel ist nicht mit dem Party-Jeopardy zu verwechseln und sucht auch nicht den Sinn des Lebens, sondern andere Zahlen. (axk)