VCD verzichtet auf Liste der saubersten Autos
Der Verkehrsclub Deutschland will vorerst keine Auto-Umweltliste mehr erstellen. Grund sei der Abgasskandal bei Volkswagen. Bei näherer Betrachtung taugt diese Begründung allerdings kaum dazu, die Einstellung zu erklären.
(Bild: VCD / Markus Bachmann)
Berlin, 16. August 2016 – Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) verzichtet in diesem Jahr auf eine Rangliste der umweltfreundlichsten Autos. Dies sei eine Konsequenz aus dem Abgasskandal. Für die seit 1989 jährlich erstellte Auto-Umweltliste seien gesicherte Daten über Verbrauch und Abgase nötig. „Das ist zurzeit nicht verlässlich möglich“, sagte VCD-Vorstandsmitglied Wasilis von Rauch am Dienstag in Berlin. „Wir können deshalb keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.“
Es lässt sich darüber spekulieren, was den Club letztlich tatsächlich davon abgehalten hat, sein nicht ganz einfach zu durchschauendes Ranking für mindestens ein Jahr auszusetzen. Die in der Pressemeldung genannten Gründe klingen auf den ersten Blick zwar durchaus plausibel, sind aber durchweg nicht neu.
VCD verzichtet auf Liste der saubersten Autos (3 Bilder)

(Bild: VCD / Andreas Labes)
Für sein bisheriges Ranking machte es sich der Club nicht leicht: CO2-Ausstoß (60 Prozent), Lärm (20 Prozent), Belastung des Menschen durch Schadstoffe (15 Prozent) und Belastung der Natur (5 Prozent) wurden jeweils mit maximal 10 Punkten bewertet. Für den CO2-Ausstoß wurde der NEFZ zugrunde gelegt, beim Lärm das Fahrgeräusch, bei den Schadstoffen Partikel zu 50 und für NOx und NO2 zu je 25 Prozent. In die Wertung „Belastung der Natur“ fließt wiederum die NOx-Menge.
Sparsame Autos vorn
In der Auto-Umweltliste landen also vor allem jene Modelle weit vorn, die wenig Sprit verbrauchen. Dabei hat sich der VCD in der Vergangenheit auf die vom Kraftfahrt-Bundesamt geprüften und veröffentlichten Werte gestützt. Aus Sicht des VCD haben das Bundesamt und das Bundesverkehrsministerium aber „bei der Kontrolle versagt“, wie der verkehrspolitische Sprecher des VCD, Gerd Lottsiepen sagte. Der VCD habe schon früher gewusst, dass Autohersteller Emissions- und Verbrauchswerte schöngerechnet hätten. „Wir haben aber nicht geahnt, in welchem Ausmaß einige Hersteller mit geradezu krimineller Energie Abgastestes fälschen.“
Dem Glauben zu schenken, fällt insbesondere in Bezug auf den Verbrauch einigermaßen schwer. Dass der Anforderungskatalog für den derzeit noch geltenden „Neuen europäischen Fahrzyklus“ (NEFZ) seit Jahren mit einem immensen Aufwand von der Industrie unter Beschuss genommen wird, ist ebenso wenig eine Neuigkeit wie die VCD-These, dass bei Verbrauch und CO2-Ausstoß die Schere zwischen Herstellerangaben und Wirklichkeit in den vergangenen Jahren immer weiter auseinandergegangen sei. Dass die gefundenen Lücken für geringere Verbrauchsangaben genutzt werden, verwundert kaum, geht es für die Autoindustrie doch um Milliarden.