Post aus Japan: Bitte sparen Sie Wasser!

Tokio wird das Wasser knapp. Die Stadtregierung fordert daher die Bürger auf, den Verbrauch zu senken. Eine eigentlich einfache Übung bei dem großen Durst der Metropole.

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Von
  • Martin Kölling
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Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus – und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Eine der ersten Amtshandlungen von Tokios neuer Bürgermeisterin Yuriko Koike war eine Videoansprache. Mit Zahnbürste und einem Glas in der Hand appellierte sie vorige Woche an uns Tokioter, doch bitte beim Wassersparen zu helfen. Denn in der Hauptstadt wird das Wasser knapp, dem ersten Sparaufruf vom 14. Juni zum Trotz.

Tatsächlich offenbart der Blick auf die Wasserreserven der größten Megacity der Welt ein unschönes Bild. Tokio stillt den Durst seiner Bürger aus drei Flusssystemen. Zuerst ließ der rasante Fall der Reserven im Tone-Gebiet die Alarmglocken schrillen.

Anfang Juni lagen die Pegel der Dämme und Flüsse dieses Systems mehr als halb so hoch wie sonst um die Jahreszeit. Und gemeinsam mit dem Flusssystem des Arakawas liefert der Tone-Fluss immerhin 80 Prozent des Wasserbedarfs.

Erste Wassersparappelle und Umleitungen von Wasser aus dem Arakawa stoppten den Abfluss im Tone-Gebiet zwar. Doch dafür sinken die Wasserstände in den anderen zwei Quellgebieten rasant. Das Arakawa-System führte am 16. August nur 64 Prozent seiner Normkapazität anstatt das übliche Mittel von etwa 90 Prozent.

Auch das Tama-Flussgebiet im Westen der Stadt, das bis Mitte Juni überdurchschnittlich gut gefüllt war, führt inzwischen mit einer Auslastung von 68 Prozent deutlich weniger Wasser als im Durchschnitt.

Die Tokioter Wasserwerke bitten uns daher, unseren täglichen Wasserverbrauch um zehn Liter zu senken. Und die von Koike vorgeschlagenen Maßnahmen zeigen, dass dies nicht so schwierig sein sollte. Denn die Wasserverschwendung ist groß in Japan. Pro Kopf der Tokioter gurgeln täglich 220 Liter durch die diversen Ausgüsse und Toiletten. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Durchschnittsdurst um etwa 100 Liter niedriger.

So rät uns die Bürgermeisterin, uns beim Zähneputzen nicht mit fließenden Wasser den Mund ausspülen, sondern einen Becher zu verwenden. Das allein soll schon fünf Liter sparen. Ein weiterer Rat ist, die Dusche zum Einseifen abzustellen. Denn jede gesparte Duschminute senkt den Verbrauch um weitere zwölf Liter.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass das Abwaschen unter fließend Wasser nicht die beste Idee ist, wenn das Wasser knapp wird. Zudem mögen wir das Badewasser des üblichen täglichen Familienbades zum Saubermachen oder für die Waschmaschine verwenden.

Ein Badeverzicht wird hingegen nicht empfohlen, schließlich sind die Bäder weit weniger Verschwendung als in Deutschland. Erstens badet die gesamte Familie im gleichen Wasser, zweitens wird es am nächsten Tag in der Regel noch einmal verwendet, was problemlos möglich ist.

Denn die Japaner schrubben sich nicht nur vor dem Bad sehr gründlich ab, um dann sauber in der Wanne zu entspannen. Die Wannen haben zudem einen Wasserkreislauf zum Boiler, um das Wasser während des Badeabends auf einer Temperatur zu halten oder am nächsten Tag neu zu erhitzen.

Die gute Nachricht: Im Tone-Gebiet liegen die Wasserstände der Talsperren derzeit über der nächsten kritischen Marke. Aber bei den milden Sparaufrufen muss es nicht bleiben. Sollten die Reserven unter 150 Millionen Kubikmeter fallen, würde die Entnahme nicht nur wie bisher um zehn, sondern 20 Prozent gedrosselt werden. Dazu kann es noch kommen. Erfahrungsgemäß werden die Tiefststände erst Mitte September erreicht. Aber auch dann werden die Japaner kaum auf ihr Bad verzichten wollen. ()