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Final Fantasy XV: Anime-Halbstarke im Road-Movie

In Teil XV kehrt Square Enix dem bisherigen Fantasy-Kitsch und Rundenkämpfen weitgehend den Rücken. Schwarzgekleidete Rocker, Muscle-Cars und Smartphones sollen neue Spieler ansprechen.

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Final Fantasy XV: Anime-Halbstarke im Road-Movie

(Bild: Square Enix)

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Mit Final Fantasy XV wagt Square Enix einen Spagat zwischen westlicher und östlicher Kultur. Damit das Großprojekt, an dem bis zu 300 Entwickler aus verschiedenen Nationen arbeiteten, nicht nur in Japan, sondern auch in Europa und den USA ein Erfolg wird, wurden allzu kitschige Fantasy-Elemente gestrichen. Stattdessen reisen die vier Protagonisten wie in einem typischen Road-Movie in schwarzen Klamotten mit (fliegenden) Muscle-Cars durch die Wüste und telefonieren mit Smartphones. Junge, neue Spieler, die Square Enix ansprechen will, sollen sich so besser mit den Helden identifizieren. Natürlich gibt es immer noch Schwertkämpfe gegen Monster und mächtige Zauber, allerdings in einem weitaus "realistischeren Kontext" – soweit man davon in einem japanischen Rollenspiel überhaupt sprechen kann.

Teil XV wird erstmals ein Open-World-Spiel sein, in dem der Spieler sich völlig frei bewegen kann. Die Geschichte handelt vom jungen Prinzen, der seine Heimat verlässt, um seine Verlobte zu heiraten. Doch während seiner Abwesenheit wird sein Königreich von einem bösen Imperium überfallen. Also macht sich der Prinz mit drei Kumpanen auf den Weg zurück, um sein Königreich zu retten.

Der Spieler steuert lediglich den Prinzen direkt, seine restliche Gang wird von der KI dirigiert. Um die Gruppe menschlicher zu gestallten, geht jeder von ihnen einem eigenen Hobby nach, sei es Fischen, Kochen oder Fotografieren. "Ich wollte den Charakteren eine größere emotionale Tiefe geben", erklärt Hajime Tabata, Game Director von Square Enix. Die ganze Welt unterliegt einem Tag-Nacht-Zyklus mit Wetterwechseln, auf den die Tiere in der Umgebung reagieren. Um ihren Fortschritt zu speichern und Kräfte aufzutanken, muss die Gruppe regelmäßig in der Wildnis campen.

Hajime Tabata hatte die Mammut-Aufgabe, östliche Spiele-Tradition und westliche Mode zu kombinieren, um neue Spieler anzusprechen ohne die alten zu vergraulen.

(Bild: c't)

Darüber hinaus vereinfachte Tabata den Skilltree und das Magie-System. Final Fantasy XV hat keine komplizierten schachbrettartigen Wahlmöglichkeiten für die Fortentwicklung der Charaktere, sondern relativ einfache, übersichtliche Bäume für jede der vier Figuren. "Es sollte ein einfacheres System sein als in Teil XII, das trotzdem eine große Spieltiefe zulässt", sagt Tabata. Austoben können sich Spieler derweil im Magiesystem: Neue Zaubersprüche lassen sich mit verschiedenen Zutaten selbst basteln, sodass sie immer wieder neue Auswirkungen haben. "Jungen japanischen Spielern sind inzwischen die komplexen Skill-Trees und Magie-Systeme der älteren Final-Fantasy-Teile zu kompliziert geworden. Deshalb mussten wir sie vereinfachen, ohne ihnen jedoch die Tiefe zu nehmen, die alte Fans so sehr lieben", erläutert Tabata seinen Ansatz.

Die ehemaligen Rundenkämpfe laufen nun komplett in Echtzeit ab. Es gibt nur einen optionalen "Wartemodus" in dem man die Action anhalten kann, um den Figuren neue Befehle zu geben.

Die aufwendigen Rendersequenzen, die Final Fantasy berühmt gemacht haben, sind in Final Fantasy XV weitgehend passé. Stattdessen laufen Dialog-Sequenzen mit Dorf- und Stadt-Bewohnern in der Game-Engine ab. "So konnten wir das Spiel einfacher in die verschiedenen Sprachen synchronisieren. Das wäre mit Filmsequenzen deutlich aufwendiger gewesen", erklärt Tabata die Design-Entscheidung. Final Fantasy XV wird erstmals komplett mit deutscher Sprachausgabe ausgeliefert. Fans können natürlich auch zur englischen oder japanischen Tonspur umschalten und lediglich Untertitel mitlesen.

Die Protagonisten haben mehr mit einer Rockergang gemein als mit typischen Fantasy-Helden.

(Bild: Square Enix)

Parallel zum Spiel veröffentlich Square Enix zudem eine Animee-Serie und einen neuen Renderfilm. "Kingsglaive" wird einen Monat vor dem Spielstart ab dem 30. September als digitaler Download und auf Discs verkauft und erzählt die Geschichte des Überfalls des fremden Imperiums auf die Heimat des jungen Prinzen.

Der Spagat, neue westliche Spieler anzusprechen, ohne die alten Fans zu vergraulen, scheint auf den ersten Blick gelungen. Final Fantasy XV könnte seit langem der zugänglichste Teil der Serie werden. Wie in jeder Folge sind keinerlei Vorkenntnisse nötig, sondern auch dieser Teil erzählt eine komplett eigenständige Geschichte. Die Abtrennung der Render-Szenen in einem Film und die Öffnung zu einem Open-World-Spiel dürften dem Spielfluss sehr zugute kommen, sodass auch Fans von Fallout & Co. sich hier wohlfühlen. Das werden insbesondere Spieler begrüßen, denen etwa Teil XIII zu linear war. Das epische Abenteuer erscheint am 29.November für PS4 und Xbox One.

(hag)