Gamescom

Vampyr: Blutsauger im Londoner Nebel

Einmal selbst als Untoter unterwegs sein, aber in guter Sache – das darf der Spieler bei Dontnods "Vampyr". Das Action-Rollenspiel setzt das alte London bemerkenswert stimmungsvoll um.

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Vampyr

Wer sich auf die enorm detailreiche Welt von "Vampyr" einlässt, den wird das, was er dort erlebt, nicht kalt lassen können.

(Bild: Focus Home Interactive)

Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Stephan Greitemeier

Auch abseits des Mainstream-Scheinwerferlichts zeigt die diesjährige Gamescom einige echte Knüller. Das gilt etwa für "Vampyr", ein Story-getriebenes Action-Rollenspiel des Pariser Entwicklerstudios Dontnod. Schauplatz ist London im Jahr 1918, das von der Spanischen Grippe heimgesucht wird – und von Schlimmerem. Einem Massengrab entstiegen, sucht der zum Vampir gewordene Arzt Jonathan Reid nach einem Heilmittel für seinen Blutdurst. Seine Gegner sind eine neue, mutierte Art von Vampiren, die "Skulls". Außerdem gibt es da noch eine geheime Gesellschaft von Vampirjägern mit sehr speziellem Equipment, die in den Straßen patrouillieren.

Faszinierend wirkt die zentrale Mechanik des Spiels. Als Vampir muss man Blut trinken, aber es bleibt dem Spieler ĂĽberlassen, wie viel und von wem. "Vampyr" berĂĽcksichtigt viele Regeln klassischer Vampir-Mythen: man kann etwa kein Haus betreten, in das man nicht eingeladen wurde. Das macht geschickte Kommunikation notwendig. Jedes potenzielle Opfer scheint eine eigene Geschichte zu haben, die man durch Interaktion erfahren kann. Ein brutaler Krimineller kann zugleich ein besorgter Familienvater sein. Wenn man ihn als Nahrung nutzt, bleibt sein Junge schutzlos zurĂĽck.

Unblutig geht es in diesem Spiel nicht gerade zu – allerdings hat man es nicht mit oberflächlichen Splatter-Effekten zu tun. Verstören kann eher die emotionale Tiefe der Handlung.

(Bild: Focus Home Interactive)

Das Blutsaugen selbst wirkt im Spiel brutal und melancholisch zugleich – auch dann, wenn man einen ausgesprochenen Unsympathen zum Opfer wählt. Der letzte Gedanke des Sterbenden hallt im Kopf des Vampirs wieder. Diese emotionale Tiefe ist es, die "Vampyr" auszeichnet. Die Figur des Spielers bewegt sich ständig in einer moralischen Grauzone, und jede Entscheidung kann weitreichende Konsequenzen haben. Wenn man allzu intensiv in einem Stadtteil wildert, gibt die Londoner Obrigkeit diesen auf und riegelt ihn ab. Damit fallen dann auch sämtliche potenzielle Nebenquests weg, die das Gebiet sonst beherbergt hätte. Innerhalb der Londoner Stadtteile kann man sich frei bewegen, auf der Suche nach Opfern – oder nach Erlösung. Freunde offener, faszinierend detailreicher Welten mit düsterer Atmosphäre und historischem Flair dürfen sich auf 15 bis 30 Stunden äußerst spannender Spielhandlung freuen.

Dontnod ist bereits zuvor mit dem Action-Adventure "Remember Me" und dem episodischen Zeitmanipulations-Adventure "Life is Strange" angenehm aufgefallen.

Der Publisher Focus Home Interactive will "Vampyr" im kommenden Jahr fĂĽr Windows-PC, PS4 und Xbox One herausbringen. (psz)