Indie Arena: Kursk – Mystery und Action rund um die Unterseekatastrophe
Die Havarie des russischen Atom-U-Boots "Kursk" im Jahr 2000 ist noch unvergessen. Das polnische Studio Jujubee strickt in Anlehnung an die historischen Ereignisse ein zweiteiliges Konglomerat, das aus Mystery-Adventure und Survival-Action-Spiel besteht.
Im Survival-Teil von "Kursk" sind Tempo und ungeheuer exakte Bewegungen gefragt.
(Bild: Jujubee)
Zu den unabhängigen Entwicklerteams, die auf der diesjährigen Gamescom im Rahmen der "Indie Arena" ihre Werke präsentierten, gehört auch das polnische Studio Jujubee. Es wurde von ehemaligen Mitarbeitern des "Witcher"-Herstellers "CD Projekt Red" gegründet. Innerhalb der Indie Arena zeigte das in Katovice residierende Team nun erstmals eine spielbare Version seines ambitionierten Spielprojekts "Kursk". Das Ganze soll aus zwei Teilen bestehen, die an verschiedenen Orten spielen und unterschiedlichen Genres angehören: Den Anfang bildet ein Mystery-Adventure; es spielt in Moskau, wo die Figur des Spielers als Spion arbeitet. Im zweiten Teil verlagert sich die Handlung auf das namensgebende U-Boot selbst: Dort wird geradlinige Survival-Action geboten.
Als Vorlage für den Titel dient das historische Untersee-Unglück des Jahres 2000: im Sommer jenes Jahres nahm das hochmoderne russische Atom-U-Boot K-141 "Kursk" an einem Manöver in der Barentssee teil. Aus noch immer ungeklärter Ursache ereigneten sich zwei Explosionen, die ein Loch in die Hülle des Schiffes rissen und es auf den Grund des Meeres sinken ließen.
Russland beantwortete internationale Hilfsangebote zur Rettung möglicher Überlebender seinerzeit nur sehr zögerlich. So kam es zu Spekulationen, noch während die Bergungsaktion lief: Trug die Kursk eine experimentelle Waffe an Bord, die vorzeitig explodiert war? Fürchtete man um die Geheimhaltung und wollte dafür die Leben der Besatzung opfern? Bis heute gibt es viele Fragezeichen und Lücken im Ablauf der Ereignisse. Bei diesen setzt das Spiel an.
Ambitioniertes Projekt
Die Jujubee-Leute sind nicht die ersten, die ein Spiel auf Grundlage der Kursk-Havarie gestalten. Ravenscourt hat 2015 ein Third-Person-Mystery-Adventure namens "Undercover Missions: Operation Kursk K-141" veröffentlicht. Dort steuerte man eine Agentin des russischen Geheimdiensts FSB. Jenes Spiel vermochte allerdings bei Spielern und Kritikern nur wenig Begeisterung zu wecken.
Zugunsten des Jujubee-Teams kann man nur hoffen, dass sein Ansatz besseren Anklang findet. FĂĽr das polnische Studio ist es ein Ausflug in unbekannte Gefilde, da die Mitarbeiter sich bislang vorwiegend auf Mobilspiele und Strategietitel konzentriert haben.
(Bild:Â Jujubee)
In der spielbaren Passage, die man auf der Gamescom ausprobieren konnte, findet sich der Held in seiner Kajüte, wo er inhaftiert wurde. Der Spieler sieht das Geschehen aus der First-Person-Perspektive. Er kann Objekte begutachten, Briefe lesen und ein eingebettetes Minispiel absolvieren. Als eine Explosion das Schiff erschüttert und Feuer ausbricht, gilt es, sich mit Hilfe von aufzufindenden Gegenständen zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Man bekommt es mit Flammenwänden, einbrechenden Böden und versperrten Fluchtwegen zu tun, während der Stolz der russischen Marine auf den Meeresboden sinkt.
Licht und Schatten
Das Ganze wirkt durchaus knackig. Die Atmosphäre stimmt, die Entwickler haben das Innere des U-Boots beeindruckend umgesetzt. Eine nette Idee ist der Trigger für den Story-Verlauf: Man findet ein billiges LCD-Spiel auf der Koje, das ironischerweise eine U-Boot-Schlacht simuliert. Man muss fallenden Wasserbomben ausweichen und die patrouillierenden Kreuzer abschießen. Wenn man selbst getroffen wird, erschüttert die Explosion das tatsächliche Schiff, in dem man sitzt.
Nette Ideen und hübsche Grafik sind aber leider nicht alles. Die Steuerung der Demo wäre mit "widerspenstig" noch allzu freundlich beschrieben. Die Zielbereiche, die man treffen muss, um beispielsweise Schränke zu öffnen und Rohre an sich zu nehmen, sind winzig klein. Meist saust man mehrfach darüber, ohne dass man sie zu fassen kriegt. Gerade unter dem Zeitdruck, den ein brennendes U-Boot nun mal erzeugt, hat die miserable Spielsteuerung extrem an den Spielernerven gezerrt.
Hoffentlich bekommen die Entwickler dieses Problem bis zum nächsten Jahr in den Griff. Dann soll "Kursk" für Windows, Linux, Mac sowie PS4 und Xbox One erscheinen.
(psz)