Pokémon Go: Jetzt mit Monster-Bewertungen

Die neue Revision des Augmented-Reality-Spiels Pokémon Go bringt eine Bewertungsfunktion mit. Die soll helfen zu beurteilen, wie gut sich gefangene Monster für Arena-Kämpfe eignen. Die Aussagen muss man nur noch zu interpretieren wissen.

vorlesen Druckansicht 103 Kommentare lesen
Pokémon Go: Jetzt mit Monster-Bewertungen
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Gerald Himmelein
Inhaltsverzeichnis

[Update 12:15] Klarstellung der Bot-Fixes, kleine Korrekturen. [/Update]

Das Smartphone-Spiel Pokémon Go bekommt wieder ein Update, das es in sich hat: Unter Android trägt es die Versionsnummer 0.35.0, unter iOS die Nummer 1.5.0. Beide werden gerade etappenweise verteilt.

Die auffälligste Neuerung ist der Punkt "Bewertung" im Menü der Pokémon-Detailansicht. Ein Tippser ruft den Teamleiter herbei, der (oder die) anbietet, das ausgewählte Monsterchen auf deren Kampftauglichkeit zu analysieren. Daraufhin gibt der Teamleiter drei bis sechs Einschätzungen zu den Eigenschaften des jeweiligen Pokémon.

Als weitere Verbesserungen nennt Entwickler Niantic "kleinere Bot-Fixes" – diese sollen automatisierte Tracker-Dienste und Cheat-Bots blockieren. Hierfür wird das Spiel wohl bei verdächtigem Verhalten ein Captcha einblenden. Zudem versprechen die Release Notes 'neue und aufregende Funktionen' für zukünftige Updates.

Ein bisschen Hintergrund: Die offenliegenden Werte eines Pokémon sagen oft nur wenig darüber aus, wie gut sie sich für Arenakämpfe eignen. Geschickt eingesetzt, kann ein resolutes Rattikarl mit 1000 WP durchaus ein massives Lapras mit über 2000 WP schlagen. Auch kann es sich eher lohnen, ein Rattfratz mit nur 226 WP weiterzuentwickeln als ein Duplikat mit 285 WP.

Das liegt daran, dass jedes Pokémon mit unterschiedlichen Grundwerten ausgestattet ist, die "Individual Values" (IV) oder IV-Werte genannt werden. Diese Werte zeigt das Spiel nicht direkt an – die angezeigten Werte lassen aber durchaus Rückschlüsse zu.

Deshalb erfreuen sich IV-Rechner wachsender Beliebtheit: Man füttert sie mit den Wettkampf- (WP) und Kraftpunkten (KP) eines Pokémon sowie die Menge an Sternenstaub, die für ein Power-up fällig wären. Das erste Ergebnis ist meist eine Annäherung, die immerhin schon einen guten Überblick über die Stärken und Schwächen gibt. Bei vielversprechenden Pokémon kann man das Ergebnis über Power-ups weiter verfeinern, bis die exakten IV offenliegen.

Offenbar soll die mit dem Update vom 23. August eingeführte Bewertungsfunktion es den Spielern etwas leichter machen, die inneren Werte der gefangenen Monster zu erkennen.

Pokémon Go: Bewertung eines Verlierers (7 Bilder)

Ein Karpador mit absoluten Mindestwerten.

Wir haben den Aussagegehalt der internen Bewertungsfunktion von Pokémon Go mit den Ergebnissen von IV-Rechnern verglichen. Das Ergebnis: Netter Ansatz, wenig brauchbare Ergebnisse. Was die Teamleiterin von sich gab, las sich wie die Beurteilung in einem Arbeitszeugnis – im Zweifelsfall eher diplomatisch als hilfreich.

Bei einem Karpador mit 10 WP und 10 KP – absolutes Minimum – gab Teamleiterin Blanche zwar zu: "Dein Karpador wird im Kampf insgesamt wahrscheinlich keine großen Fortschritte machen." Ein paar Sprechblasen weiter verstieg sie sich aber zu einem überschwänglichen "Ich muss sagen, dass ich von seinen Werten sehr beeindruckt bin." Warum auch immer – ein solches Karpador taugt eigentlich nur zum Verschicken.

Ein Glumanda mit perfekten IV (15/15/15) beglückwünschte sie hingegen als "insgesamt einfach erstaunlich" und "atemberaubendes Exemplar". Aus den weiteren Erklärungen (siehe Bilderstrecke) kann man immerhin ableiten, dass es Höchstwerte aufweist.

Abschließend bezeichnet die Teamleiterin das hundertprozentige Glumanda als "kolossal. Eine statistische Anomalie. Faszinierend". Das wäre prima, wenn sie nicht ein Evoli mit einem Potenzial von nur 31% bis 57% mit exakt denselben Worten abfeiern würde.

Insgesamt kann man die Bewertung also nur als ersten Anhaltspunkt sehen: Schlechte bis mittelprächtige Pokémon werden mit drei bis vier Informationen abgefeiert, perfekte mit sechs Bewertungen.

Sagt der Teamleiter als erstes, es handele sich um ein atemberaubendes Exemplar, weiß man immerhin schon, dass es sich lohnen kann, die Werte in einen IV-Rechner einzutippen. Erklärt er im Anschluss, der KP-Wert, der Angriffs-Wert und der Verteidigungswerk seien "genauso gut", hat man ein perfektes Pokémon vor sich.

Ohne Aussagekraft ist hingegen die Rückmeldung "Seine Werte sind so hoch, dass ich sie gar nicht berechnen kann! Unglaublich!" – sie erschien im Selbstversuch bei einem Rettan mit 100% (15/15/15) genauso wie bei einem Evoli mit schwachen 64% (15/14/0).

Bei einigen Pokémon kommentiert die Teamleiterin auch deren Größe und Gewicht. Abweichungen in diesem Bereich zeigt das Spiel aber eh schon mit einer kleinen Sprechblase an: XS und XL bedeuten hier dasselbe wie bei Kleidungsgrößen. Eventuell spielen Größe und Gewicht eines Pokémon künftig eine größere Rolle als jetzt (gar nicht).

Über die vom Pokémon beherrschten Angriffe (Moveset) verlieren die Teamleiter kein Wort. Diese Auslassung fällt deshalb auf, weil das Moveset in der Arena durchaus kampfentscheidend sein kann.

Für die Unterschlagung könnte es einen Grund geben: Bei einem server-seitigen Update am 19. August hat Niantic die Effektivität diverser Angriffe verändert und Ausweichtechniken geschwächt. Eine Angriffsart wurde sogar komplett gestrichen: der insbesondere bei Garados sehr effektive "Feuerodem". Offenbar waren die Entwickler der Meinung, das Pokémon werde mit diesem Angriffstyp übermächtig. Es kann also durchaus sein, dass Niantic, pardon, die Teamleiter, deshalb nichts zu den Movesets sagen, weil hier noch tiefgreifende Anpassungen zu erwarten sind.

In jedem Fall ist die neue Bewertungsfunktion nichts halbes und nichts ganzes: Statt die IV-Werte endlich offenzulegen, zwingt Niantic die Spieler jetzt dazu, blumige Formulierungen zu interpretieren. Wie ein Arbeitszeugnis halt. "Dein Karpador hat sich immer viel Mühe gegeben, die ihm gestellten Aufgaben entsprechend seiner begrenzten Fähigkeiten zu erfüllen."

Wir haben die Updates der letzten Monate übrigens zum Anlass genommen, den Artikel "Pokémon Go: Tipps und Tricks, die ich gern vorher gewusst hätte", tiefgehend umzuarbeiten. Die neue Version enthält zahlreiche neue Tipps für Einsteiger und Nachzügler, gibt zusätzliche Hinweise für Arena-Kämpfe, erläutert Möglichkeiten zum Akkuschonen und beschreibt Strategien für Fortgeschrittene.

Pokémon Go: Bewertungen mit beschränkter Aussagekraft (13 Bilder)

Sieht zwar nicht nach viel aus, ist aber laut diverser IV-Rechner ein perfekter Glumanda.

(ghi)